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Fach­kräf­te

Geflüchtete fassen Fuß in der Arbeitswelt

Potenzial für die Wirtschaft: Integration gelingt immer besser, und viele Unternehmen bekommen bürokratische Hürden inzwischen gut in den Griff.
Ausgabe 04/2020

Gut für Geflüchtete und für die Wirtschaft: Die Integration geht voran.
Gut für Geflüchtete und für die Wirtschaft: Die Integration geht voran. Foto: pa/Swen Pförtner/dpa
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Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • Geflüchtete sind in Zeiten des Fachkräftemangels eine Chance für Unternehmen.
  • Grundlage für die Integration ist nach wie vor die Sprache – Berlin muss hier nachrüsten.

Enga­gier­te Unter­neh­men über­neh­men bei der Inte­gra­ti­on von Geflüch­te­ten in den Arbeits­markt eine Schlüs­sel­rol­le: Mehr als 400 von ihnen hat das Netz­werk Unter­neh­men inte­grie­ren Flücht­lin­ge des DIHK befragt, dar­un­ter über 70 Pro­zent klei­ne und mit­tel­stän­di­sche Fir­men. Die Aus­bil­dung ist dabei mit 56 Pro­zent die häu­figs­te Form bei der Beschäf­ti­gung von Geflüch­te­ten. Dane­ben berei­ten 25 Pro­zent der Betrie­be Men­schen mit Flucht­hin­ter­grund durch eine Ein­stiegs­qua­li­fi­zie­rung auf eine Aus­bil­dung vor. Der Blick zurück zeigt eine posi­ti­ve Ent­wick­lung, denn 2016 gaben ledig­lich 35 Pro­zent der Betrie­be an, dass sie Geflüch­te­te aus­bil­den, und mit 51 Pro­zent lag auch die Zahl der Geflüch­te­ten in Prak­ti­ka noch dem­entspre­chend höher. Die Zah­len für den Ber­li­ner Aus­bil­dungs­markt unter­strei­chen den Posi­tiv­trend: So ent­fie­len im Aus­bil­dungs­jahr 2018/2019 zwölf Pro­zent der Bewer­bun­gen um Aus­bil­dungs­plät­ze auf Men­schen mit Flucht­hin­ter­grund.

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Juli­an Alg­ner
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In der aktu­el­len IHK-Kon­junk­tur­um­fra­ge stuf­ten Ber­li­ner Unter­neh­men den Fach­kräf­te­man­gel als größ­tes wirt­schaft­li­ches Risi­ko ein. Für die Inte­gra­ti­on ist die­ser Eng­pass ein Trei­ber: 74 Pro­zent der befrag­ten Unter­neh­men gaben in der DIHK-Umfra­ge an, dass sie Geflüch­te­te ein­ge­stellt haben, um dem Fach- und Hilfs­kräf­te­man­gel ent­ge­gen­zu­wir­ken. Die Sta­tis­ti­ken der Bun­des­agen­tur für Arbeit bele­gen, dass im Ver­gleich zu 2015 im letz­ten Jahr mehr als fünf­mal so vie­le Men­schen mit Flucht­hin­ter­grund einer sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Beschäf­ti­gung in Ber­lin nach­gin­gen. Dar­un­ter sind ver­gli­chen mit 2015 fast sie­ben­mal so vie­le als Fach­kräf­te und Spe­zia­lis­ten tätig, aber auch mehr als fünf­mal so vie­le in Hel­fer­tä­tig­kei­ten. Die mehr als 1.600 Geflüch­te­ten, die auf Exper­ten­ni­veau in Ber­lin arbei­ten, ver­deut­li­chen eben­falls, dass es vor­an­geht.

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Unter­neh­men ver­ste­hen auch, dass Inte­gra­ti­on für Geflüch­te­te nicht ein­fach ist: Fast zwei Drit­tel der befrag­ten klei­nen und mit­tel­stän­di­schen Betrie­be bie­ten Hil­fe bei Behör­den­gän­gen an, rund die Hälf­te unter­stützt bei der Woh­nungs­su­che. Pro­ble­me im Unter­neh­men sind dabei eher sel­ten: „Bei uns hat die Inte­gra­ti­on im Betrieb bis­lang rei­bungs­los funk­tio­niert. Der Aus­tausch unter­schied­li­cher Kul­tu­ren und Back­grounds berei­chert nicht nur den All­tag, son­dern sorgt auch für krea­ti­ven Input“, sagt Harald Rauh, Geschäfts­füh­rer des Fach­ver­lags Schie­le & Schön.

Schwie­rig wer­de es aller­dings außer­halb der eige­nen Zustän­dig­keit: „Wir haben die Erfah­rung gemacht, dass man­geln­de Sprach­kennt­nis­se das größ­te Inte­gra­ti­ons­hemm­nis sind, und kön­nen nicht behaup­ten, dass die Unter­stüt­zungs­pro­jek­te in Ber­lin dafür bis­lang beson­ders hilf­reich wären“, so Rauh. Was benö­tigt wer­de, sei­en kos­ten­lo­se, berufs­be­glei­ten­de Sprach­kur­se, die in Rand­zei­ten statt­fin­den und berufs­be­zo­ge­ne Inhal­te ver­mit­teln, damit Geflüch­te­te zum Bei­spiel über das not­wen­di­ge Voka­bu­lar ver­fü­gen, argu­men­tiert der Geschäfts­füh­rer. Mehr als die Hälf­te der befrag­ten Unter­neh­men gaben in der DIHK-Umfra­ge an, dass sie die Beleg­schaft mit Flucht­hin­ter­grund mit zusätz­li­chen Sprach­kur­sen unter­stüt­zen oder Nach­hil­fe­un­ter­richt für Aus­zu­bil­den­de anbie­ten.

Nach Ein­schät­zung der Unter­neh­men sind die Hür­den bei der Inte­gra­ti­on gene­rell zurück­ge­gan­gen.  Als größ­te Her­aus­for­de­rung bewer­ten sie die Schwie­rig­kei­ten in der Berufs­schu­le. Bes­ser sieht es beim Umgang mit Büro­kra­tie und bei der Per­so­nal­pla­nung aus: Waren bei­de Fak­to­ren 2017 noch für über 40 Pro­zent der befrag­ten Betrie­be die größ­ten „Bau­stel­len“, kom­men die Unter­neh­men mit Ver­fah­ren und Vor­schrif­ten zuneh­mend bes­ser klar. Auch die Pla­nungs­si­cher­heit hat sich nach Ein­schät­zung der Unter­neh­men ver­bes­sert.

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