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Fach­kräf­te

Hauptstadt der Girls

Zum 20. Mal findet in diesem Jahr der Girls’ Day statt, an dem Mädchen in eher männlich besetzte Berufe schnuppern. Berlinerinnen sind dabei ganz weit vorn.
von Christina Brandenburg Ausgabe 03/2020

Auch die Berliner Wasserwerke sind beim Girls’Day dabei. Die Schülerin Marie ist Botschafterin für den Aktionstag
Auch die Berliner Wasserwerke sind beim Girls’Day dabei. Die Schülerin Marie ist Botschafterin für den Aktionstag. Foto: Metinyilmaz.de
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Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • Gute Bilanz: 7.000 Schülerinnen nahmen teil, schon zu Beginn waren es rund 3.000.
  • Auch gegen den Fachkräftemangel hilft es, veraltete Rollenbilder im Beruf zu durchbrechen.

Mäd­chen von heu­te haben in Deutsch­land alle Frei­hei­ten. Trotz­dem ent­schei­den sie sich immer noch über­pro­por­tio­nal häu­fig für typisch weib­li­che Berufs­fel­der. Mehr als die Hälf­te der Mäd­chen wählt aus nur zehn ver­schie­de­nen Aus­bil­dungs­be­ru­fen im dua­len Sys­tem – kein ein­zi­ger natur­wis­sen­schaft­lich-tech­ni­scher Beruf ist dar­un­ter. Dabei kann es nicht an man­geln­der Kom­pe­tenz lie­gen, denn Mäd­chen haben im Schnitt die bes­se­ren Schul­ab­schlüs­se und Noten.

Um den Blick der Mäd­chen auf die zahl­rei­chen Mög­lich­kei­ten und Chan­cen zu len­ken, die ihnen offen­ste­hen, fin­det seit 20 Jah­ren der ­Girls’Day statt. Ein­mal im Jahr kön­nen neu­gie­ri­ge Schü­le­rin­nen die Viel­falt der Beru­fe in den Berei­chen Natur- und Inge­nieur­wis­sen­schaft, Infor­ma­tik oder Tech­nik ent­de­cken. An die­sem Mäd­chen­zu­kunfts­tag öff­nen Unter­neh­men, Hoch­schu­len, Behör­den und For­schungs­ein­rich­tun­gen für Schü­le­rin­nen ab der 5. Klas­se ihre Tore. Jun­ge Frau­en kön­nen dann unter­schied­li­che Beru­fe aus dem tech­nisch-natur­wis­sen­schaft­li­chen Bereich ken­nen­ler­nen und Ein­bli­cke gewin­nen über Chan­cen und Per­spek­ti­ven in den Berufs­fel­dern Natur­wis­sen­schaft, Tech­nik oder IT, die im Berufs­ori­en­tie­rungs­pro­zess von Mäd­chen bis­her noch sel­ten im Vor­der­grund ste­hen.

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Der Akti­ons­tag soll die Mäd­chen dazu ermu­ti­gen, sich mit den The­men Ein­kom­men und Kar­rie­re, Frau­en in Füh­rungs­po­si­tio­nen und Frau­en als Unter­neh­me­rin­nen aus­ein­an­der­zu­set­zen. Denn wer in Hin­blick auf die eige­ne Berufs- und Lebens­pla­nung früh eige­ne Vor­stel­lun­gen ent­wi­ckelt, erhöht die Chan­cen auf eine erfül­len­de Berufs­tä­tig­keit.

Par­al­lel zum Girls’Day fin­det jedes Jahr für Jun­gen ab der 5. Klas­se der Boys’Day statt. An die­sem Berufs­ori­en­tie­rungs­tag kön­nen Jun­gen unter­schied­li­che Beru­fe aus den Berei­chen Erzie­hung, Sozia­les und Gesund­heit haut­nah erle­ben, die sie viel­leicht sonst nicht im Blick haben.

Der Girls’Day hat sich bun­des­weit und in Ber­lin in den letz­ten 20 Jah­ren schnell zum größ­ten Berufs­ori­en­tie­rungs­tag für Mäd­chen ent­wi­ckelt. Mitt­ler­wei­le zählt der Girls’Day auch welt­weit zum größ­ten Akti­ons­tag für Mäd­chen. Jähr­lich besu­chen über 100.000 Mäd­chen in Deutsch­land den Girls’Day und ler­nen MINT-Beru­fe vor Ort in Betrie­ben und Insti­tu­tio­nen ken­nen.

Für die Unter­neh­men ist der Girls’Day ein wich­ti­ges Instru­ment des Azu­bi-Mar­ke­tings, denn oft haben sie sonst wenig Mög­lich­kei­ten, inter­es­sier­te Mäd­chen für die Beru­fe anzu­spre­chen. 38 Pro­zent der Ber­li­ner Unter­neh­men, die sich am Girls’Day lang­fris­tig betei­li­gen, bekom­men Bewer­bun­gen von ehe­ma­li­gen Teil­neh­me­rin­nen. 20 Pro­zent die­ser Bewer­bun­gen mün­den in einem Aus­bil­dungs- oder Prak­ti­kums­ver­trag. Damit liegt die Haupt­stadt im bun­des­wei­ten Trend.

In Ber­lin stand der Girls’Day von Anfang an hoch im Kurs – bei Unter­neh­men und bei den Schu­len. Die Zahl der Schü­le­rin­nen hat sich von knapp 3.000 im Jahr 2002 auf knapp 7.000 im Jahr 2019 mehr als ver­dop­pelt. Die Mäd­chen kom­men aus allen Ber­li­ner Bezir­ken, am meis­ten aus Gym­na­si­en (41 Pro­zent), aber auch die Sekun­dar­schu­len (34 Pro­zent) sind gut ver­tre­ten. Auch die Zahl der Ber­li­ner Ver­an­stal­tun­gen ist bestän­dig gestie­gen. Mit über 600 Ver­an­stal­tun­gen wur­de 2019 ein Höhe­punkt erreicht.

In Ber­lin neh­men von den über 200 teil­neh­men­den Unter­neh­men 20 Pro­zent regel­mä­ßig teil, aus Über­zeu­gung, wie die meis­ten sagen. 85 Ber­li­ner Unter­neh­men wur­den 2019 neu zum Akti­ons­tag gelockt. Die New­co­mer erhö­hen die Bran­chen­viel­falt, zum Bei­spiel erhiel­ten Hand­werk und Film­wirt­schaft neue Impul­se. Am Girls’ Day ist Ber­lin Infor­ma­tik-Haupt­stadt. EDV- und Infor­ma­tik­an­ge­bo­te sind an der Spit­ze, tech­ni­sche Dienst­leis­tun­gen, Metall-Elek­tro­an­ge­bo­te und Maschi­nen­bau leg­ten zu.

Ber­lin ist ins­ge­samt Girls’Day-Hauptstadt. In kei­nem Bun­des­land neh­men so vie­le Schü­le­rin­nen teil. 2019 waren es 8,6 Pro­zent, der Bun­des­durch­schnitt liegt bei 5,1 Pro­zent.

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