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Fach­kräf­te

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Schlauer Nachwuchs und Wissenstransfer sichern den Wirtschaftsstandort. 20 Bildungsprojekte schufen innovative Impulse und neue Brücken in Unternehmen.
von Sabine Steinert Ausgabe 10/2020

Bei den „Berliner Berufsrouten“ konnten Schüler Ausbildungsberufe mithilfe von Tablets oder Smartphones erkunden
Bei den „Berliner Berufsrouten“ konnten Schüler Ausbildungsberufe mithilfe von Tablets oder Smartphones erkunden. Foto: FBH/Schurian
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  • Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, hat die Berliner Wirtschaft innovative Bildungsprojekte gefördert.
  • Dabei sollen vor allem Mängel im Schulsystem ausgeglichen werden.

Nicht län­ger auf ekla­tan­te Män­gel im Bil­dungs­sys­tem nur hin­zu­wei­sen, son­dern selbst anzu­pa­cken: Das war das Ziel der Ber­li­ner Wirt­schaft, als sie vor sechs Jah­ren ent­schied, die För­de­rung inno­va­ti­ver Bil­dungs­pro­jek­te zu ermög­li­chen. Die Voll­ver­samm­lung der IHK Ber­lin hat­te im Jahr 2014 beschlos­sen, auf Bei­trags­rück­erstat­tun­gen zu ver­zich­ten und statt­des­sen elf Mil­lio­nen Euro ziel­ge­rich­tet in die Zukunfts­fä­hig­keit des Stand­orts Ber­lin zu inves­tie­ren. Aus rund 350 Ein­rei­chun­gen für drei über­ge­ord­ne­te the­ma­ti­sche För­der­schwer­punk­te wähl­ten die ehren­amt­lich enga­gier­ten Unter­neh­mer schließ­lich 20 viel­ver­spre­chen­de Pro­jekt­kon­zep­te aus.

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Attrak­ti­vi­tät der Berufs­bil­dung 

Acht Pro­jekt­trä­ger unter­stütz­ten mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men dabei, Schul­ab­gän­ger für die dua­le Aus­bil­dung, ins­be­son­de­re für MINT-Beru­fe zu begeis­tern und zuneh­men­de Pas­sungs­pro­ble­me zu redu­zie­ren. Dazu wur­den jugend­af­fi­ne mul­ti­me­dia­le For­ma­te zur beruf­li­chen Ori­en­tie­rung wie etwa das mobi­le Wis­sen­schafts­thea­ter INTENSE ent­wi­ckelt, das immer­siv natur­wis­sen­schaft­li­che The­men und inter­ak­tiv zukunfts­re­le­van­te Beru­fe ver­mit­telt. Über meh­re­re Schul­jah­re wur­den Schü­ler sys­te­ma­tisch an ver­schie­de­ne Berufs­fel­der und kon­kret an Unter­neh­men her­an­ge­führt.

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Ein wei­te­rer Schwer­punkt war es, Jugend­li­che mit schwä­che­ren Vor­aus­set­zun­gen zur Berufs- und Aus­bil­dungs­rei­fe zu füh­ren. So stan­den bei­spiels­wei­se bei EQ Hoch Zwei die Vor­be­rei­tung und Moti­va­ti­on, die pass­ge­naue Ver­mitt­lung in Ein­stiegs­qua­li­fi­zie­run­gen (EQ) und Beglei­tung der Jugend­li­chen und der Unter­neh­men bis zur Über­nah­me in Aus­bil­dung im Fokus. Rund 250 mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men und Schu­len betei­lig­ten sich aktiv, ca. 65.000 Schü­ler und Jugend­li­che nutz­ten bis­her die ver­schie­de­nen Pro­jek­te­an­ge­bo­te.

„Doppelt Gut“ wurde als neues ausbildungsintegrierendes duales Studienangebot für den Mittelstand mit MINT-Fachkräftebedarf entwickelt
„Dop­pelt Gut“ wur­de als neu­es aus­bil­dungs­in­te­grie­ren­des dua­les Stu­di­en­an­ge­bot für den Mit­tel­stand mit MINT-Fach­kräf­te­be­darf ent­wi­ckelt. Foto: BeutH Hochschule/Ernst Fes­se­ler

Tech­no­lo­gie- und Wis­sens­trans­fer 

Kon­tak­te und Zugän­ge zu aka­de­mi­schen Fach­kräf­ten für mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men und mehr Durch­läs­sig­keit zwi­schen beruf­li­cher und uni­ver­si­tä­rer Bil­dung waren Zie­le im För­der­be­reich Aka­de­mi­sche Bil­dung und Wis­sens- und Tech­no­lo­gie­trans­fer. Neben dem hoch­schul­über­grei­fen­den Aus­bau der Entre­pre­neurship-Leh­re, der Stär­kung der Grün­dungs­kul­tur und dem Auf­bau inter­na­tio­na­ler Netz­werk­struk­tu­ren setz­ten vier Pro­jek­te neue Koope­ra­ti­ons­for­ma­te mit der Wirt­schaft an meh­re­ren Hoch­schu­len um.

„Kiron“ bietet Geflüchteten einen einfachen Zugang zu akademischer Bildung
„Kiron“ bie­tet Geflüch­te­ten einen ein­fa­chen Zugang zu aka­de­mi­scher Bil­dung. Foto: Kiron Open Hig­her Edu­ca­ti­on

Die betei­lig­ten eta­blier­ten Unter­neh­men brach­ten Markt­ex­per­ti­se für die Grün­dungs­ide­en von Start-ups ein, zahl­rei­che Inno­va­ti­ons­me­tho­den wur­den ver­mit­telt und ange­wandt sowie Impul­se für Tech­no­lo­gie­trends gene­riert. Rund 4.000 Stu­die­ren­de und Wis­sen­schaft­ler nah­men an zahl­rei­chen Ver­an­stal­tun­gen und Work­shops teil, und über 250 Ber­li­ner KMU pro­fi­tier­ten in den Trans­fer­for­ma­ten: Lösun­gen für unter­neh­me­ri­sche Fra­ge­stel­lun­gen wur­den gemein­sam erar­bei­tet, inno­va­ti­ve Geschäfts­mo­del­le gene­riert und For­schungs­er­geb­nis­se zur Markt­rei­fe ent­wi­ckelt. Das Con­tai­ner­la­bor Inku­lab der TU für Grün­der­teams der Grü­nen Che­mie, Life Sci­en­ces und Nano­tech­no­lo­gie ist eine Blau­pau­se für ähn­li­che Vor­ha­ben in Ber­lins Hoch­schul­land­schaft.

„BENHU“ steht für: Entrepreneurship-Education, Vernetzung sowie Internationalisierung von Gründungsvorhaben
„BENHU“ steht für: Entre­pre­neurship-Edu­ca­ti­on, Ver­net­zung sowie Inter­na­tio­na­li­sie­rung von Grün­dungs­vor­ha­ben. Foto: BWK/Khalid Sharif

Viel­fäl­ti­ge Inte­gra­ti­ons­we­ge 

Ein brei­tes Spek­trum an beruf­li­chen Erwerbs­va­ri­an­ten zur gesell­schaft­li­chen Inte­gra­ti­on geflüch­te­ter Men­schen wur­de im Rah­men der zusätz­li­chen the­ma­ti­schen För­der­li­nie mit vier Pro­jek­ten abge­deckt. Mit Kom­pe­tenz­er­fas­sung, Berufs­ori­en­tie­rung, berufs­be­zo­ge­ner Sprach­för­de­rung, Qua­li­fi­zie­rung und indi­vi­du­el­lem Coa­ching sind Geflüch­te­te auf einen Ein­stieg in den hie­si­gen Arbeits­markt vor­be­rei­tet, qua­li­fi­ziert und ver­mit­telt wor­den.

Das Projekt „beMINT“ machte die Ausbildungspraxis zukunftsrelevanter MINT-Berufe erlebbar
Das Pro­jekt „beMINT“ mach­te die Aus­bil­dungs­pra­xis zukunfts­re­le­van­ter MINT-Beru­fe erleb­bar. Foto: HWR Ber­lin

Men­schen mit aka­de­mi­scher Bil­dungs­aspi­ra­ti­on erhiel­ten unbü­ro­kra­ti­schen Zugang zu Online-Stu­di­um, Men­to­ring und Sprach­kur­sen. An Selbst­stän­dig­keit Inter­es­sier­te, die im Her­kunfts­land bereits unter­neh­me­risch tätig waren, erhiel­ten fach­spe­zi­fi­sche För­de­rung pro­zess­be­glei­tend von der Geschäfts­idee bis zur Grün­dung. 1.300 Geflüch­te­te wur­den ori­en­tiert und qua­li­fi­ziert, um in Aus­bil­dungs- und Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se zu star­ten, und 130 Per­so­nen grün­de­ten mit kom­pe­ten­ter Unter­stüt­zung des LOK.StartupCamps inter­na­tio­nal ein eige­nes Gewer­be. 

„Der Best-Prac­tice-Report doku­men­tiert die inno­va­ti­ven Kon­zep­te und Erfol­ge, auf die wir allen Grund haben, stolz zu sein: Drei bun­des­wei­te Aus­zeich­nun­gen und nach­hal­ti­ge Netz­wer­ke zei­gen, dass sich der Ein­satz der Ber­li­ner Wirt­schaft gelohnt hat“, so Dr. Bea­tri­ce Kramm, Prä­si­den­tin der IHK Ber­lin. 

Die För­der­pha­se ist nun vor­bei, jetzt geht es dar­um, die Exper­ti­se in Regel­struk­tu­ren zu über­füh­ren. 

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