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Eben mal kurz die Welt fotografieren

Planet macht Bilder der ganzen Erde, jeden Tag aufs Neue. Und immer ist sie eine andere. Selbst kleinste Veränderungen werden durch die von Berlin aus mitgesteuerten Satelliten des Unternehmens sichtbar gemacht.
von Kevin Dusch Ausgabe 03/2019

Der Flughafen BER mit seinen leeren Gates
Auf den Bildern der Satelliten von Planet gut zu erkennen: Der Flughafen BER mit seinen leeren Gates. Foto: Planet Labs Inc.
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Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • Mit über 300 Satelliten fotografiert Planet täglich die gesamte Erdoberfläche.
  • Viele Branchen können von Planets Datenbank profitieren.

Vor über 60 Jah­ren über­quer­te der ers­te von Men­schen gebau­te Satel­lit die Gren­ze zu den unend­li­chen Wei­ten des Welt­alls. Mit dem Start von Sput­nik 1 läu­te­te die Sowjet­uni­on das Zeit­al­ter der Raum­fahrt ein – und zugleich ein erbit­ter­tes Wett­ren­nen um die Vor­herr­schaft im All. Heu­te stre­ben nicht mehr nur die Groß­mäch­te gen Him­mel. Unter­neh­mer wie Elon Musk oder Jeff Bezos sind inzwi­schen eta­blier­te Play­er im Welt­raum­ge­schäft. Aus dem Wett­kampf ist ein Wett­be­werb gewor­den, an dem jeder mit einer Visi­on oder einer Tech­no­lo­gie teil­neh­men kann. Umso bes­ser, wenn man bei­des hat. So wie das Unter­neh­men Pla­net. Sein Ziel: Satel­li­ten­fo­tos von der Erde machen.

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Dabei geht es nicht etwa um simp­le Schnapp­schüs­se aus der Vogel­per­spek­ti­ve. Die Idee von Pla­net ist, die gan­ze Erde zu foto­gra­fie­ren, immer und immer wie­der, um so glo­ba­le Ver­än­de­run­gen erken­nen zu kön­nen. Die Raum­fahrt ist also nur ein Teil des Geschäfts­mo­dells. Vor allem geht es um Big Data. Die ers­ten Satel­li­ten ent­wi­ckel­ten die Pla­net-Grün­der, die ehe­ma­li­gen Nasa-Wis­sen­schaft­ler Will Mar­shall, Rob­bie Sching­ler und Chris Boshui­zen, 2010 in einer Gara­ge. Am 19. April 2013 folg­te der Start des ers­ten eige­nen Satel­li­ten, getra­gen von einer Sojus-Rake­te. Gut ein Jahr spä­ter kün­dig­te CEO Will Mar­shall „Planet’s Mis­si­on 1“ an: die kom­plet­te Land­mas­se der Erde zu foto­gra­fie­ren – jeden Tag.

Big Data, das klingt in Anbe­tracht der Zah­len fast wie eine Unter­trei­bung. Das Archiv von Pla­net beher­bergt über sie­ben Peta­byte an Bil­dern. Das sind 7.000 Tera­byte. Täg­lich kom­men mehr Fotos von den ca. 140 Satel­li­ten hin­zu. „Die Welt ver­än­dert sich – schnell, ste­tig und nicht immer zum Bes­ten. Oft erken­nen wir Pro­ble­me erst zu spät. Pla­net kann das ändern.“ So fasst Mas­si­mi­lia­no Vita­le, Gene­ral Mana­ger und Seni­or Vice Pre­si­dent von Pla­net in Ber­lin, die Visi­on des Unter­neh­mens zusam­men. Teil des Kon­zep­tes: Jeder kann auf die Bil­der der Satel­li­ten zugrei­fen, alles, was man dazu braucht, ist ein Inter­net­an­schluss.

Satellitenaufnahme von Moorea in Französisch-Polynesien
Satel­li­ten lie­fern Auf­nah­men wie die­ses von Moo­rea in Fran­zö­sisch-Poly­ne­si­en Foto: Pla­net Labs Inc.

Big Data in der Kata­stro­phen­hil­fe

Neben gro­ßen Auf­trä­gen für Regie­run­gen und Unter­neh­men arbei­tet Pla­net auch mit NGOs zusam­men. Durch die cloud-basier­te Bereit­stel­lung von Satel­li­ten­da­ten unter­stützt Pla­net die Orga­ni­sa­tio­nen bei huma­ni­tä­ren Pro­jek­ten und der Kata­stro­phen­hil­fe. Vita­le: „Die Viel­fäl­tig­keit der Ein­satz­ge­bie­te ist kaum abzu­schät­zen.“ Regie­run­gen kön­nen bei­spiels­wei­se Natur­ka­ta­stro­phen ana­ly­sie­ren und so die Prä­ven­ti­on ver­bes­sern. Doch auch in der Wirt­schaft ist die Ver­wen­dung der Erd­ab­bil­dun­gen viel­fäl­tig. Vor allem die Land­wirt­schaft ist laut Pla­net ein Schlüs­sel­sek­tor. „Der ste­tig aktua­li­sier­te Blick von oben erlaubt eine ganz neue Art der Ana­ly­se von Ent­wick­lung in der Land­schafts­struk­tur und den geo­gra­fi­schen Gege­ben­hei­ten“, so Vita­le. Und das wirkt sich nicht nur auf die Pla­nung und damit auf die Kos­ten des Land­wirts posi­tiv aus: „Eine bes­se­re Pla­nung und schnel­le­re Reak­tio­nen auf Ver­än­de­run­gen sen­ken nicht nur Kos­ten. Sie redu­zie­ren gleich­zei­tig den öko­lo­gi­schen Fuß­ab­druck.“

Ver­gan­ge­nes Jahr wur­de der Ser­vice um „Pla­net Ana­ly­tics“ erwei­tert. Mit­tels Machi­ne Lear­ning wer­den bei die­sem Ange­bot rele­van­te Objek­te, zum Bei­spiel Gebäu­de oder Boden­be­de­ckung, auto­ma­tisch iden­ti­fi­ziert. Vita­le: „Die­se intel­li­gen­ten Infor­ma­ti­ons-Feeds kön­nen anschlie­ßend in die Arbeits­ab­läu­fe der Kun­den inte­griert wer­den.“

Wir benut­zen Tech­no­lo­gi­en, um der Mensch­heit zu hel­fen.
Mas­si­mi­lia­no Vita­le, Gene­ral Mana­ger und SVP bei Pla­net

Doch birgt die Mög­lich­keit des stän­di­gen Moni­to­rings nicht auch ein Miss­brauchs­ri­si­ko? Vita­le: „Die Ver­brei­tung von Satel­li­ten­bil­dern wird von Regie­run­gen regu­liert und so bereits vor Miss­brauch geschützt. Zusätz­lich arbei­ten wir nur mit Unter­neh­men und Orga­ni­sa­tio­nen, die wir als ver­trau­ens­wür­dig ein­stu­fen.“ Dafür hat Pla­net sogar ein Ethik-Komi­tee ein­ge­rich­tet.

Pla­net arbei­tet mit drei ver­schie­de­nen Satel­li­ten­ty­pen: Gut 120 „Dove“-Satelliten sind für die täg­li­che Gesamt­ab­bil­dung der Land­mas­se der Erde zustän­dig. Sie flie­gen in rela­tiv gerin­ger Höhe von 500 Kilo­me­tern und sam­meln Bild­ma­te­ri­al von mehr als 300 Mio. Qua­drat­ki­lo­me­tern. Näher an der Erde flie­gen die soge­nann­ten „Rapid Eye“-Satelliten. Sie wur­den 2015 von Black­Bridge über­nom­men, wodurch Pla­net Zugriff auf eines der größ­ten Archi­ve von Satel­li­ten­bil­dern mit Fünf-Meter-Auf­lö­sung hat. Fünf davon umkrei­sen der­zeit die Erde, unter­stützt von 15 „SkySat“-Satelliten. Die­ses Modell nahm Pla­net 2017 mit dem Kauf des Goog­le-Unter­neh­mens Ter­ra Bel­la ins Port­fo­lio auf. Sie kom­men zum Ein­satz, wenn noch schär­fe­re Bil­der in Ein-Meter-Auf­lö­sung gemacht wer­den sol­len.

Von der Blau­pau­se bis zur Aus­wer­tung

Die Satel­li­ten baut Pla­net selbst an sei­nem Haupt­stand­ort in San Fran­cis­co. Gesteu­ert wer­den sie aus Ber­lin und der kali­for­ni­schen Metro­po­le. Mas­si­mi­lia­no Vita­le: „Die Stand­or­te haben den Vor­teil, dass an einem immer Tag ist. So gewähr­leis­ten wir eine dau­er­haf­te Beset­zung unse­rer Steu­er­zen­tra­le.“ Vom Ent­wurf der Satel­li­ten bis zur Aus­wer­tung der durch sie gesam­mel­ten Daten fin­det also alles unter einem Dach statt. Inzwi­schen sor­gen mehr als 400 Mit­ar­bei­ter dafür, dass die der­zeit etwa 140 Satel­li­ten im Orbit ihre Arbeit tun und ste­tig Nach­schub kommt. Mehr als 300 Satel­li­ten hat Pla­net bereits erfolg­reich ins All gebracht, mehr­mals im Jahr kom­men neue dazu. Zum Abschluss des Jah­res 2018 schick­te Pla­net ins­ge­samt 33 Satel­li­ten bei drei Rake­ten­starts in die Erd­um­lauf­bahn.

Nach­dem „Planet’s Mis­si­on 1“, das täg­li­che Ablich­ten der gesam­ten Erd­ober­flä­che, Mit­te 2017 für geglückt erklärt wur­de, plant Pla­net bereits den Ein­tritt in neue Sphä­ren. Im Juli 2018 prä­sen­tier­te CEO Mar­shall sei­ne Visi­on der „abruf­ba­ren Erde“: die Mög­lich­keit, phy­si­sche Ver­än­de­run­gen auf der Erde zu indi­zie­ren und für alle such- und auf­find­bar zu machen.


Unternehmens-Profile

Pla­net Labs Inc.

Raum­fahrt­un­ter­neh­men

300 Satelliten

hat Pla­net bereits erfolg­reich in den Erdor­bit gebracht.
Stand 03.2019

140 Satelliten

sind dau­er­haft in Betrieb.
Stand 03.2019

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