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Neue Mobilität aus dem Herzen Berlins

Seit fast 40 Jahren tüfteln Entwickler von IAV an der Zukunft der Fortbewegung. Fahrzeug- und Antriebsentwicklung sind nach wie vor Schwerpunkte. Doch IAV wandelt sich in schnellen Schritten zum Tech-Unternehmen.
von Katharina Lehmann Ausgabe 06/2020

Antriebstechnik, wie hier auf dem Turboladerprüfstand, ist nach wie vor wichtig bei IAV
Antriebstechnik, wie hier auf dem Turboladerprüfstand, ist nach wie vor wichtig bei IAV. Foto: IAV/Max Lautenschläger
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Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • IAV ist Experte für Antriebstechnologie. Längst hat das Unternehmen seine Produktpalette erweitert.
  • Mitbewerber lauern von vielen Seiten: IAV muss sich gegen Start-ups und Großkonzerne behaupten.

Mit bat­te­rie­be­trie­be­nen Elek­tro­au­tos 1.000 Kilo­me­ter fah­ren, das könn­te bald Rea­li­tät sein. Zumin­dest, wenn es nach den Ent­wick­lern von IAV geht. Seit 2014 for­schen sie im Pro­jekt EMBATT mit dem Fraun­ho­fer IKTS und thys­sen­krupp Sys­tems Engi­nee­ring an einer neu­en Bat­te­rie­tech­no­lo­gie, bei der statt vie­ler klei­ner Ein­zel­zel­len groß­flä­chi­ge Elek­tro­den zum Ein­satz kom­men. Das spart wert­vol­len Platz, zuguns­ten einer grö­ße­ren akti­ven Bat­te­rie­mas­se und signi­fi­kant stei­gen­der Reich­wei­te.

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Eine Hand­voll Mit­ar­bei­ter zum Start 

Erforscht wer­den sol­che Tech­no­lo­gi­en auch am IAV-Haupt­sitz im Her­zen Ber­lins an der Gren­ze zwi­schen Char­lot­ten­burg und Moa­bit. Hier, wo das Unter­neh­men 1983 von einer Hand­voll Pro­fes­so­ren und Stu­die­ren­der als Aus­grün­dung der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät ent­stand, arbei­ten heu­te 1.600 Mit­ar­bei­ter und 300 Aus­zu­bil­den­de und Stu­die­ren­de an der Mobi­li­tät von mor­gen. Allein in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren ist die Zahl um rund 50 Pro­zent gewach­sen. Welt­weit beschäf­tigt IAV an 25 Stand­or­ten rund 8.000 Mit­ar­bei­ter. Der Umsatz stieg 2019 auf mehr als eine Mrd. Euro. 

„Und wir wach­sen wei­ter“, ist sich Dr. Uwe Horn, Mit­glied der Geschäfts­füh­rung und Arbeits­di­rek­tor von IAV, sicher. Ziel sei es, welt­weit auf etwa 10.000 Mit­ar­bei­ter anzu­wach­sen. Eini­ge die­ser neu­en Stel­len wer­den auch in Ber­lin ent­ste­hen. „Eines ist aber klar“, erklärt Horn: „Wir brau­chen hier in der Haupt­stadt Platz zum Expan­die­ren.“ Dass er den fin­de, da ist er aber opti­mis­tisch, IAV pfle­ge einen guten Aus­tausch mit den zustän­di­gen Behör­den.

Auf dem Höhenklima-Rollenprüfstand wird der Himalaya simuliert: mit Höhen bis zu 5.300 Metern
Auf dem Höhen­kli­ma-Rol­len­prüf­stand wird der Hima­la­ya simu­liert: mit Höhen bis zu 5.300 Metern. Foto: IAV/Christian Bier­wa­gen

Schwie­ri­ger ist da schon die Rekru­tie­rung neu­er Mit­ar­bei­ter. „Wir ste­hen im Wett­be­werb mit Start-ups, aber auch mit IT-Grö­ßen wie Ama­zon und bald auch Tes­la“, erklärt der Arbeits­di­rek­tor. „Bis­her schla­gen wir uns aber sehr gut, haben bei Talen­ten wie Pro­fes­sio­nals einen exzel­len­ten Ruf.“ Das lie­ge vor allem an der tech­no­lo­gisch span­nen­den Aus­rich­tung der For­schungs­pro­jek­te, die vie­le MINT-Fach­kräf­te anspre­che. Aber auch die zahl­rei­chen Koope­ra­tio­nen mit Uni­ver­si­tä­ten und For­schungs­zen­tren zah­le sich aus. 

Die Zusam­men­ar­beit mit den Stu­die­ren­den ist für Horn eines der wich­tigs­ten Ste­cken­pfer­de im Wett­be­werb um die Talen­te von mor­gen. Denn nicht nur auf­grund der gemein­sa­men For­schungs­pro­jek­te und der Dozen­ten­tä­tig­keit vie­ler IAV-Mit­ar­bei­ter gilt das Unter­neh­men bei MINT-Absol­ven­ten als Top-Arbeit­ge­ber. „Wir bie­ten Stu­die­ren­den auch ein her­vor­ra­gen­des tech­ni­sches Umfeld für Prak­ti­ka, stu­den­ti­sche Jobs und Abschluss­ar­bei­ten“, so Horn. Wich­tig dabei ist neben der qua­li­fi­zier­ten fach­li­chen Betreu­ung auch der Tarif­ver­trag für Stu­die­ren­de. „Das ist unse­res Wis­sens nach deutsch­land­weit ein­zig­ar­tig.“ Der sehe auch vor, dass Stu­die­ren­de bei Erfül­lung gewis­ser Kri­te­ri­en in ein fes­tes Arbeits­ver­hält­nis wech­seln kön­nen.

Kollege Dummy wird auf seinen Einsatz vorbereitet. Bei Tests zur Fahrzeugsicherheit sind die Puppen unverzichtbar
Kol­le­ge Dum­my wird auf sei­nen Ein­satz vor­be­rei­tet. Bei Tests zur Fahr­zeug­si­cher­heit sind die Pup­pen unver­zicht­bar. Foto: IAV/Max Lau­ten­schlä­ger

Fun­da­men­ta­ler Umbruch im Ver­kehr 

Begrün­det liegt das Wachs­tum von IAV aber auch dar­in, dass das Unter­neh­men mit sei­nen For­schungs­the­men den Nerv der Zeit trifft. Denn der Ver­kehrs­sek­tor steht vor einem fun­da­men­ta­len Umbruch: „Um die Kli­ma­zie­le zu errei­chen, muss die Mobi­li­tät dekar­bo­ni­siert wer­den. An der Elek­tri­fi­zie­rung des Antriebs führt also kein Weg vor­bei“, erklärt Mat­thi­as Schul­tal­bers, Chief Digi­tal Offi­cer und Bereichs­lei­ter Power­train Mecha­tro­nics von IAV. In Zukunft, glaubt er, wer­den wir ein rasan­tes Wachs­tum elek­tri­scher Fahr­zeu­ge auf unse­ren Stra­ßen sehen – und zwar von rei­nen bat­te­rie­elek­tri­schen Fahr­zeu­gen bis hin zu Plug-in-Hybri­den. Auch die Brenn­stoff­zel­len­tech­no­lo­gie habe Poten­zi­al, zunächst jedoch vor allem im Schwer­last­trans­port. 

Die Ent­wick­lung CO2-effi­zi­en­ter Antrie­be ist wohl eines der Top-The­men der­zeit. Doch allein damit ist es nicht getan. Im Fahr­zeug­be­reich brau­che es das Zusam­men­spiel aller Kom­po­nen­ten: von smar­ten Antriebs­sys­te­men über intel­li­gen­te Fahr­zeug­tech­no­lo­gie hin zu ganz­heit­li­chen Mobi­li­täts­kon­zep­ten. Zwar lie­ge ein Schwer­punkt von IAV nach wie vor auf der Fahr­zeug­ent­wick­lung sowie der Ent­wick­lung effi­zi­en­ter und emis­si­ons­frei­er Antrie­be. Doch nimmt das Unter­neh­men schon seit gerau­mer Zeit neue The­men­fel­der und Tech­no­lo­gi­en in den Fokus.

Drive2Shop heißt das Projekt von IAV und Siemens, eine Art digitaler Marktplatz im Auto
Drive2Shop heißt das Pro­jekt von IAV und Sie­mens, eine Art digi­ta­ler Markt­platz im Auto. Foto: IAV/Christian Bier­wa­gen

Ein wich­ti­ges The­ma ist die Ent­wick­lung assis­tie­ren­der und auto­nom fah­ren­der Sys­te­me. Mit dem Pro­jekt HEAT etwa erforscht IAV, wie sich auto­nom fah­ren­de Klein­bus­se in den Stadt­ver­kehr inte­grie­ren las­sen. Die Digi­ta­li­sie­rung und neue Tech­no­lo­gi­en füh­ren die Ent­wick­ler auch zu immer neu­en Pro­jek­ten. Ein Bei­spiel ist das Navi­ga­ti­ons­kon­zept Smart Gui­de, mit dem Auto­fah­rer die rich­ti­ge Rou­te durch unbe­kann­tes Gebiet fin­den, ohne den Blick von der Stra­ße neh­men oder einer Stim­me fol­gen zu müs­sen. Die Rou­ten­füh­rung wird ein­fach auf die Front­schei­be pro­ji­ziert – für den Fah­rer scheint sie dank Aug­men­ted Rea­li­ty direkt auf der Stra­ße zu lie­gen, er braucht nur den ent­spre­chen­den Mar­kie­run­gen zu fol­gen. 

Mit KI Ano­ma­li­en ent­de­cken 

Auch in der Ent­wick­lung setzt das Unter­neh­men auf intel­li­gen­tes Daten­ma­nage­ment und Data Sci­ence. „Mit künst­li­cher Intel­li­genz etwa kön­nen wir in den gewon­ne­nen Daten Ano­ma­li­en ent­de­cken, damit Feh­ler­quel­len schnel­ler iden­ti­fi­zie­ren und Ent­wick­lungs­schlei­fen deut­lich ver­kür­zen“, erklärt Schul­tal­bers. Mit­hil­fe der Digi­ta­li­sie­rung könn­ten auch Rou­ti­ne­auf­ga­ben in der Ent­wick­lung auto­ma­ti­siert wer­den, das spa­re wert­vol­le Zeit. Die Erpro­bung neu­er Tech­no­lo­gi­en in der vir­tu­el­len Sphä­re scho­ne zudem Res­sour­cen. Inno­va­ti­ve For­men der Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on und agi­le Arbeits­wei­sen wer­den denn auch im IAV-eige­nen Digi­tal Lab in Ber­lin ent­wi­ckelt – und aus der deut­schen Haupt­stadt her­aus in alle Stand­or­te getra­gen.  

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