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Bran­chen

Im Himmel über Berlin

Dass er mit rund 150 Antennen ein Sendemast ist, vergisst man fast. Der Fernsehturm, einst gebaut als DDR-Symbol, ist heute schillerndes Wahrzeichen des vereinten Berlins. Nun feiert der alles Überragende seinen 50. Geburtstag.
von Almut Kaspar Ausgabe 09/2019

Rauf in die Kugel: Seit Eröffnung im Oktober 1969 genossen über 60 Millionen Besucher den Panoramablick
Rauf in die Kugel: Seit Eröffnung im Oktober 1969 genossen über 60 Millionen Besucher den Panoramablick. Foto: picture alliance/Frank May
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Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • Das Geburtstagskind beherbergt unter anderem Berlins höchste Bar.
  • Die Turmkugel hat einen Durchmesser von bis zu 32 Metern.

Wer hin­auf will, braucht ein Ticket und Geduld. Man muss war­ten, bis das Secu­ri­ty-Per­so­nal zum Pas­sie­ren einer Sicher­heits­schleu­se auf­ruft, und man steht am Auf­zug an. In der Hoch­sai­son wird Ein­lass erst gewährt, wenn ein ande­rer Auf­zug mit ande­ren Besu­chern her­un­ter­ge­kom­men ist. Denn mehr als 400 Per­so­nen dür­fen sich oben in der Kugel nicht gleich­zei­tig auf­hal­ten. Dann schießt er nach oben – in nur 40 Sekun­den ist er in 203 Metern Höhe ange­kom­men. Und hier wird man für sei­ne Geduld belohnt: mit einem atem­be­rau­ben­den Blick aus 60 umlau­fen­den Pan­ora­ma­fens­tern auf die gesam­te Stadt und ihr Hin­ter­land.

Hier befin­det sich auch Ber­lins höchs­te Bar, wo es Drinks und Snacks gibt. Eine Eta­ge dar­über und vier Meter höher wer­den im Restau­rant „Sphe­re“ Gerich­te der ein­hei­mi­schen Küche und inter­na­tio­na­le Spe­zia­li­tä­ten ser­viert. Ein­zig­ar­tig: Beim Essen dreht sich der auf 120 Rol­len gela­ger­te und 4,50 Meter brei­te äuße­re Flur­ring mit 40 fest mon­tier­ten Tischen, abhän­gig von der Tages­zeit, ein- bis zwei­mal pro Stun­de um 360 Grad.

Ich freue mich, dass der Turm heu­te ein Sym­bol der ver­ein­ten Stadt ist und Men­schen aus aller Welt begeis­tert.
Chris­ti­na Aue, Geschäfts­füh­re­rin TV-Turm Alex­an­der­platz Gas­tro­no­mie­ge­sell­schaft

Der Ber­li­ner Fern­seh­turm am Alex­an­der­platz ist ein Bau­werk der Super­la­ti­ve. Kein ande­res in Deutsch­land erreicht sei­ne Höhe von 368 Metern. Der denk­mal­ge­schütz­te Turm mit sei­ner mar­kan­ten Kugel ist nicht nur Sen­de­mast mit rund 150 Anten­nen, son­dern neben dem Bran­den­bur­ger Tor oder dem Reichs­tags­ge­bäu­de auch Wahr­zei­chen der Stadt und eine der belieb­tes­ten Sehens­wür­dig­kei­ten des Lan­des. Nach dem Mau­er­fall wird er Jahr für Jahr von rund 1,2 Mil­lio­nen Men­schen besucht – seit sei­ner Ein­wei­hung vor 50 Jah­ren, am 3. Okto­ber 1969, waren es bis heu­te über 60 Mil­lio­nen. Damals war der Fern­seh­turm inner­halb von vier Jah­ren von der Deut­schen Post der DDR errich­tet wor­den. Ver­baut wur­den 7.900 Kubik­me­ter Beton, 1.650 Ton­nen Rund­stahl, 300 Ton­nen Spann­stahl und 1.500 Ton­nen Pro­fil­stahl.

Für die Berei­che Gas­tro­no­mie und Aus­sicht und damit für den Publi­kums­ver­kehr im Turm ist die TV-Turm Alex­an­der­platz Gas­tro­no­mie­ge­sell­schaft mbH zustän­dig. „Wir sind Mie­te­rin bei zwei Ver­mie­tern“, sagt Geschäfts­füh­re­rin Chris­ti­na Aue, Eigen­tü­me­rin des Turms ist die Deut­sche Funk­turm, eine Toch­ter der Deut­schen Tele­kom. Das Ein­gangs­ge­bäu­de mit den umlie­gen­den drei Pavil­lons gehört seit Kur­zem einem pri­va­ten Fami­ly Office.

Jede Mege Material: 7.900 Kubikmeter Beton, 1.650 Tonnen Rundstahl, 300 Tonnen Spannstahl und 1.500 Tonnen Profilstahl sind im Fernsehturm verbaut
Jede Mege Mate­ri­al: 7.900 Kubik­me­ter Beton, 1.650 Ton­nen Rund­stahl, 300 Ton­nen Spann­stahl und 1.500 Ton­nen Pro­fil­stahl sind im Fern­seh­turm ver­baut.

Auf 400 ist die Zahl der Per­so­nen, die sich gleich­zei­tig oben in der sie­ben­ge­schos­si­gen Turm­ku­gel auf­hal­ten kön­nen, begrenzt: 320 Gäs­te und maxi­mal 30 Mit­ar­bei­ter in den zwei öffent­lich zugäng­li­chen Eta­gen, den ein­zi­gen mit Fens­tern, sowie 50 Tech­ni­ker, die in den ande­ren Eta­gen arbei­ten. Die­se Zahl ist errech­net wor­den, als der Turm Mit­te der 1990er-Jah­re kom­plett umge­baut wur­de und even­tu­el­le Eva­ku­ie­rungs­maß­nah­men berück­sich­tigt wer­den muss­ten. Die­se Begren­zung, so Chris­ti­na Aue, füh­re dann manch­mal eben zu War­te­zei­ten. Bei gutem Wet­ter und guter Sicht emp­fan­ge man bis zu 4.500 Besu­cher pro Tag, davon 800 im Restau­rant. Eine zeit­li­che Begren­zung wie frü­her – 80 Minu­ten im Restau­rant, 30 Minu­ten im Aus­sichts­ge­schoss – gibt es heu­te nicht mehr. „Wir möch­ten, dass unse­re Gäs­te ihre Zeit hier ganz ent­spannt genie­ßen und nicht stän­dig auf die Uhr schau­en müs­sen.“ Mit dem digi­ta­len Besu­cher-Manage­ment-Sys­tem sei es mög­lich, Gäs­te mit län­ge­ren War­te­zei­ten pünkt­lich 30 Minu­ten vor ihrem Ein­lass per SMS auf­zu­ru­fen.

Neben der Per­so­nen­be­schrän­kung gibt es noch einen wei­te­ren Fla­schen­hals: „Das ist die Grö­ße der Kabi­nen unse­rer bei­den Auf­zü­ge, die nur zehn bis zwölf Gäs­te auf­neh­men.“ Die kön­nen dann – ein High­light auf jeder Fahrt – über Fens­ter in jedem Kabi­nen­dach in den Turm­schacht schau­en. Ein drit­ter Auf­zug der Anla­ge, die 1996 aus­ge­tauscht und zuletzt 2014 moder­ni­siert wur­de, ist dem Betriebs­per­so­nal der Tech­nik­räu­me vor­be­hal­ten. „Mit unse­ren bei­den Auf­zü­gen trans­por­tie­ren wir auch Per­so­nal, schaf­fen Spei­sen und Geträn­ke hoch und Leer­gut run­ter.“ Nicht nur aus Sicher­heits­grün­den liegt näm­lich die Küche des Unter­neh­mens eben­erdig: „Wir haben ein­fach zu wenig Flä­che oben.“ In der Küche unten wer­den die Spei­sen vor­pro­du­ziert, vaku­um­ver­packt und nach oben gebracht, wo sie dann in einer klei­nen Satel­li­ten­kü­che ange­rich­tet wer­den.

Von der Turm­ku­gel aus, die einen Durch­mes­ser von bis zu 32 Metern hat, erreicht man über eine Trep­pe zwei auf 1,60 Meter hin­aus­ra­gen­de Eva­ku­ie­rungs­büh­nen auf 191 und 188 Metern Höhe. Hier fin­den im Not­fall 400 Per­so­nen Platz. „Wir haben schon aus Sicher­heits­grün­den eva­ku­iert, bis­lang – toi, toi, toi – nur bei Strom­aus­fäl­len“, sagt Geschäfts­füh­re­rin Aue, „da funk­tio­nie­ren zwar noch die sepa­rat durch Not­strom abge­si­cher­ten Auf­zü­ge, aber nur weni­ge Gäs­te wol­len die dann auch benut­zen.“ Bei kurz­fris­ti­gem Strom­aus­fall wer­den die Besu­cher ent­we­der über die Auf­zü­ge her­un­ter­ge­bracht oder auf die bei­den Büh­nen beglei­tet, bei län­ge­rem Aus­fall ver­las­sen sie zu Fuß den Turm, über das Eva­ku­ie­rungs­trep­pen­haus mit 986 Stu­fen.

Die Kugel wurde 1967 in 120 Segmente aufgeteilt am Boden zusammengesetzt – der verwendete Edelstahl kam aus der Bundesrepublik
Die Kugel wur­de 1967 in 120 Seg­men­te auf­ge­teilt am Boden zusam­men­ge­setzt – der ver­wen­de­te Edel­stahl kam aus der Bun­des­re­pu­blik.

Die beson­de­ren Bedin­gun­gen im Fern­seh­turm haben natür­lich auch Ein­fluss auf die Preis­kal­ku­la­ti­on des Unter­neh­mens. „Wir stel­len die höchs­ten Anfor­de­run­gen an tech­ni­sche War­tungs­ver­trä­ge, haben zwei Küchen mit zwei Teams pro Schicht und einen deut­lich höhe­ren Per­so­nal­auf­wand als ein nor­ma­les Restau­rant.“ Fast 120 Mit­ar­bei­ter beschäf­tigt die Fir­ma: Küchen- und Ser­vice­kräf­te, Auf­zug­füh­rer sowie Besu­cher- und Ver­wal­tungs­per­so­nal.

Auch Fir­men­fei­ern, Ban­ket­te oder Emp­fän­ge wer­den hier für bis zu 200 Per­so­nen aus­ge­rich­tet. Am beein­dru­ckends­ten fin­det Chris­ti­na Aue die regel­mä­ßi­gen Sil­ves­ter-Par­tys: „Es ist ein­fach über­wäl­ti­gend, über allen Feu­er­wer­ken die­ser Stadt zu thro­nen, frei von Rauch und Lärm, und mit Men­schen aus aller Welt auf das neue Jahr anzu­sto­ßen.“ Da ist es beru­hi­gend, dass die wet­ter­be­ding­ten Schwan­kun­gen des Turms in der Kugel nicht zu bemer­ken sind: Bei Sturm schlägt die Anten­nen­spit­ze bis zu 65 Zen­ti­me­ter aus, wei­ter unten sind es noch 25 Zen­ti­me­ter. Aber selbst bei Gewit­tern sei man im Turm abso­lut sicher, so Aue. „Sie sind sogar beson­de­re Erleb­nis­se.“


Unternehmens-Profil

TV-Turm Alex­an­der­platz Gas­tro­no­mie­ge­sell­schaft mbH

Gas­tro­no­mie­be­trieb

120

Mit­ar­bei­ter zählt die Gas­tro­no­mie­ge­sell­schaft.
Stand 09/2019

368

Meter über dem Erd­bo­den arbei­ten die Ange­stell­ten im höchs­ten Bau­werk Deutsch­lands.
Stand 09/2019

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