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Bran­chen

Die Apotheke der Zukunft

Digitale Rezepte, Datenaustausch zwischen Arzt und Apotheker, Apps und Telemedizin – Pharmaziegeschäfte rüsten sich für die nächste Generation.
von Almut Kaspar Ausgabe 04/2020

Kiez-Apotheken werden digitaler
Kiez-Apotheken werden digitaler. Auch, um der Web-Konkurrenz etwas entgegenzusetzen. Foto: Getty Images/diane555
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Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • Die Digitalisierung stellt Apotheken vor große Herausforderungen.
  • Doch auch die Chancen durch die neue Vernetzung sind außerordentlich. Am Ende profitiert der Kunde.

Wenn Apo­the­ke­rin Rena­te Schlind­wein ein Rezept erhält, über­prüft sie über ihren Com­pu­ter, ob sie das ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Medi­ka­ment vor­rä­tig hat. Ist das nicht der Fall, kann sie über MSV3, eine Daten­schnitt­stel­le, die Bestän­de ihres Händ­lers ein­se­hen und sofort bestel­len. Schon weni­ge Stun­den spä­ter darf der Kun­de sein Medi­ka­ment abho­len, denn Apo­the­ken erhal­ten vom Groß­han­del bis zu drei Lie­fe­run­gen pro Tag.

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Mateusz Hart­wich
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Rena­te Schlind­weins Leip­zi­ger Apo­the­ke an der Leip­zi­ger Stra­ße in Mit­te ist eine von fast 800 Apo­the­ken in Ber­lin, die den gesetz­li­chen Auf­trag haben, die Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung sicher­zu­stel­len. Apo­the­ken beschaf­fen nicht nur Fer­tig­arz­nei­mit­tel – über 100.000 sind in Deutsch­land behörd­lich zuge­las­sen, etwa die Hälf­te davon ist ver­schrei­bungs­pflich­tig –, son­dern pro­du­zie­ren nach ärzt­li­cher Ver­ord­nung auch indi­vi­du­el­le Rezep­tu­ren für Pati­en­ten, die mit­un­ter inten­siv bera­ten wer­den müs­sen. Mit einem apo­the­ken­üb­li­chen Rand­sor­ti­ment machen sie fast zehn Pro­zent ihres Umsat­zes.

„Wie ande­re Unter­neh­men der Bran­che Han­del müs­sen sich auch Apo­the­ken mit den Her­aus­for­de­run­gen der Digi­ta­li­sie­rung aus­ein­an­der­set­zen“, betont Dr. Mateusz Hart­wich, der zustän­di­ge Bran­chen­ma­na­ger bei der IHK Ber­lin. Schon län­ger ist die Daten­schnitt­stel­le MSV3 in allen Ber­li­ner und Bran­den­bur­ger Apo­the­ken Stan­dard, die meis­ten ver­fü­gen zudem über eige­ne Web­sites. „Aber natür­lich darf die Ent­wick­lung an die­sem Punkt nicht enden“, sagt Ste­fan Hol­der­mann, Geschäfts­füh­rer des Phar­ma-Unter­neh­mens Kehr Ber­lin GmbH & Co KG. Groß­händ­ler wie Kehr Ber­lin unter­stüt­zen Vor-Ort-Apo­the­ken bei dem lau­fen­den Pro­zess der Digi­ta­li­sie­rung, damit sie gegen­über Online-Apo­the­ken wett­be­werbs­fä­hig blei­ben. „Vie­le Apo­the­ken bie­ten ihren Kun­den über digi­ta­le Tools wie Clic-and-Collect-Shops schon an, selbst Medi­ka­men­te und Pro­duk­te zu reser­vie­ren und zu bestel­len“, weiß Hol­der­mann. Im nächs­ten Schritt wür­de es um die Inte­gra­ti­on des E-Rezep­tes gehen, die in die­sem und dem nächs­ten Jahr erfol­gen soll – sobald die gesetz­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen beschlos­sen sei­en.

Die Kun­den der Zukunft den­ken auf allen Ebe­nen digi­tal.
Ste­fan Hol­der­mann, Geschäfts­füh­rer Kehr Ber­lin

Die Digi­ta­li­sie­rung sorgt vor allem für eine Ver­rin­ge­rung des Arbeits­auf­wands. Der MSV3-Pro­zess, so Kehr-Ber­lin-Geschäfts­füh­rer Hol­der­mann, erleich­te­re Apo­the­ken aktu­ell schon den Bestell­vor­gang. „Durch das E-Rezept erhal­ten Apo­the­ker bei­spiels­wei­se Unter­stüt­zung bei der Erstel­lung von Medi­ka­ti­ons­plä­nen, und ins­ge­samt lässt sich über die Digi­ta­li­sie­rung des Gesund­heits­we­sens viel ein­fa­cher auf Daten zugrei­fen – die­se kön­nen zum Pati­en­ten­wohl auch leich­ter und schnel­ler, zum Bei­spiel zwi­schen Arzt und Apo­the­ker, aus­ge­tauscht wer­den.“ Vie­le Kun­den gehö­ren heu­te noch einer Genera­ti­on an, die wenig mit digi­ta­len Tools und Gad­gets anfan­gen kann. „Die Kun­den der Zukunft hin­ge­gen den­ken auf allen Ebe­nen digi­tal“, so Hol­der­mann. Es gel­te auf wei­te­re Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men und Ent­wick­lun­gen, wie neue Apps und Tele­me­di­zin, zu set­zen.

„Eine attrak­ti­ve Inter­net-Prä­senz hilft Apo­the­ken dabei, vom Ziel­pu­bli­kum im Kiez oder im Bezirk wahr­ge­nom­men und gefun­den zu wer­den“, betont Ste­fan Schmidt, Spre­cher des Ber­li­ner Apo­the­ker-Ver­eins (BAV), dem Lan­des­ver­band des Deut­schen Apo­the­ker­ver­ban­des. Damit könn­ten sie auch zu kon­kur­rie­ren­den aus­län­di­schen Ver­sand­apo­the­ken auf­schlie­ßen, „die sich nicht an den betriebs­wirt­schaft­lich unin­ter­es­san­ten, gleich­wohl aber wich­ti­gen Gemein­wohl-Auf­ga­ben betei­li­gen: Not- und Nacht­diens­te zum Bei­spiel oder Vor­hal­tung von Depots mit Not­fall­arz­nei­mit­teln“.

Bei nicht ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Medi­ka­men­ten und Pro­duk­ten kommt der Ver­sand­han­del schon auf einen Markt­an­teil von über 13 Pro­zent, bei rezept­pflich­ti­gen Arz­nei­mit­teln jedoch nur auf einen von knapp über einem Pro­zent. „Da ver­traut der Kun­de offen­bar mehr sei­nem Apo­the­ker vor Ort“, mut­maßt BAV-Spre­cher Schmidt, „und die­ses Ver­trau­en soll­te der aus­bau­en – auch über sei­ne digi­ta­len Kanä­le.“

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