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Zukunft braucht Investitionen

Robert Habeck zu Gast bei der IHK Berlin: Der Grünen-Vorsitzende fordert eine neue Infrastruktur, damit Deutschland international mithalten kann.
von Christine Nadler Ausgabe 07+08/2019

Morgentermin bei der IHK: Robert Habeck (M.) mit DIHK-Präsident Dr. Eric Schweitzer (l.) und Jan Eder, IHK-Hauptgeschäftsführer
Morgentermin bei der IHK: Robert Habeck (M.) mit DIHK-Präsident Dr. Eric Schweitzer (l.) und Jan Eder, IHK-Hauptgeschäftsführer. Foto: Christian Kruppa
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Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • 400 Gäste zog der Grünen-Vorsitzende zum Wirtschaftspolitischen Frühstück.
  • Er warb unter anderem für Investitionen in Zukunftstechnologie.

Mit rund 400 Gäs­ten zog das Wirt­schafts­po­li­ti­sche Früh­stück der IHK am 27. Juni die „dritt­stärks­te“ Besu­cher­grup­pe an: Noch mehr Gäs­te kamen nur bei Wolf­gang Schäub­le und beim Abschied von Klaus Wowe­reit. Der Red­ner, den alle live erle­ben woll­ten, war Robert Habeck, Bun­des­vor­sit­zen­der von Bündnis90/Die Grü­nen.

Der Mann, der heu­te als Berufs­be­zeich­nung „Poli­ti­ker“ bevor­zugt, obwohl er als Schrift­stel­ler über 25 Bücher gemein­sam mit sei­ner Frau Andrea Paluch geschrie­ben hat, hat in Frei­burg und im däni­schen Ros­kil­de stu­diert und an der Uni Ham­burg sei­nen Dok­tor der Phi­lo­so­phie gemacht. IHK-Prä­si­den­tin Dr. Bea­tri­ce Kramm stell­te ihn als Poli­ti­ker­typ neu­en Stils vor: „Weil er sich über einen feh­len­den Rad­weg ärger­te, wur­de er Grü­nen-Mit­glied – und kehr­te nach der Mit­glie­der­ver­samm­lung als Kreis­vor­sit­zen­der zurück.“ Nach eige­nen Wor­ten ist Robert Habeck seit zehn Jah­ren „Poli­ti­ker mit Haut und Haa­ren“.

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Sei­ne Kar­rie­re bei den Grü­nen ver­lief steil. 2012 wech­sel­te er von der Oppo­si­ti­on auf die Regie­rungs­bank: als stell­ver­tre­ten­der Minis­ter­prä­si­dent und Minis­ter für Ener­gie­wen­de, Land­wirt­schaft und Umwelt in Schles­wig-Hol­stein. Wie er selbst sagt: „Ich war Minis­ter für lau­ter Leu­te, die mich doof fan­den.“ So schlimm war es aber offen­bar nicht, denn 2017 wur­de in Schles­wig-Hol­stein neu gewählt, und Robert Habeck blieb. Seit Beginn ver­gan­ge­nen Jah­res teilt er sich mit Anna­le­na Baer­bock den Bun­des­vor­sitz der Grü­nen und belegt, wie Kramm sag­te, bei Poli­ti­ker-Ran­kings einen der vor­de­ren Plätze.Habeck selbst sag­te zu sei­nem Kar­rie­re­weg: „Von der Phi­lo­so­phie zur Poli­tik ist kein so gro­ßer Sprung, wie vie­le mei­nen. Das, was mich zu dem gemacht hat, der ich heu­te bin, war die Minis­ter-Zeit in Schles­wig-Hol­stein.“

Streng genom­men ist Robert Habeck heu­te hier, weil 2002 im Nor­den Deutsch­lands ein Rad­weg fehl­te.
Dr. Bea­tri­ce Kramm, Prä­si­den­tin der IHK Ber­lin

Nach Ansicht von Habeck haben die Grü­nen heu­te eine ver­än­der­te Rol­le inne: „Wir argu­men­tie­ren nicht von außen, die Grü­nen sind in die Mit­te ein­ge­rückt. Es wird nicht mehr Poli­tik für fünf bis sie­ben Pro­zent gemacht.“ Die Arbeit der Grü­nen bestehe dar­in, so Habeck, „die Wer­te unse­rer Gesell­schaft zu erneu­ern“. Zu den Poli­ti­ker-Ran­kings äußer­te sich Habeck so: „Da schwingt eine Unerns­tig­keit mit, die nicht ange­mes­sen ist. Wir haben genug Sach­fra­gen, für die wir uns ein­set­zen müs­sen. Ent­schei­dend ist, wie sich Deutsch­land jetzt auf­stellt.“

Poli­ti­sche Rah­men­be­din­gun­gen müs­sen stim­men

Am Bei­spiel der not­wen­di­gen Kli­ma-Inves­ti­tio­nen (bis 2023 rund 1 Mrd. Euro) beschrieb er, war­um es nicht rei­che, den Sta­tus quo zu ver­tei­di­gen. „Es geht beim Kli­ma­schutz um mehr als Pin­gui­ne und Eis­bä­ren. Wir müs­sen uns stär­ker mit Zukunfts­tech­no­lo­gi­en beschäf­ti­gen. Sonst fällt unse­re Wirt­schaft zurück. Des­we­gen müs­sen auch die poli­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen für die Wirt­schaft klar und zuver­läs­sig sein. Die öffent­li­che Hand und die pri­va­te Wirt­schaft müs­sen Zukunfts­auf­ga­ben flan­kie­ren und in wich­ti­ge Infra­struk­tur inves­tie­ren.“ Um nicht noch wei­ter hin­ter Chi­na oder sogar Däne­mark zurück­zu­fal­len, sei­en enor­me Sum­men erfor­der­lich, so Habeck, aber: „Inves­tie­ren ist der Weg für den Schritt in die Zukunft.“

Bis­her bedeu­tet Ener­gie­wen­de vor allem Sanie­rung. Das ist zu lang­wie­rig, nicht effi­zi­ent genug und zu teu­er für Mie­ter. Wir brau­chen neue Sys­te­me, in die wir Ener­gie aus Solar­ther­mie, Abwas­ser, Bio­mas­se ein­spei­sen. Wir müs­sen ins­ge­samt ver­netz­ter den­ken.
Robert Habeck

Die Dis­kus­si­ons­run­de eröff­ne­te IHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Jan Eder mit der Fra­ge, was das für ein Gefühl sei, „wenn man plötz­lich über Was­ser lau­fen kann“. Habeck: „Das ist ein Ver­trau­ens­vor­schuss und eine gro­ße Ver­ant­wor­tung. Es fühlt sich so an, als ob jemand jeden Mor­gen einen Stein mehr in den Ruck­sack legt und sagt: Lauf schnel­ler!“ Mit Blick auf die Zukunft sag­te Habeck, dass wir „anders“ kon­su­mie­ren und „anders“ mobil sein wer­den, aber dass das Leben des­we­gen nicht schlech­ter wer­den muss. Nur „anders“.

Jan Eder stell­te in der End­run­de die Grund­satz­fra­ge: „Ist Deutsch­land poli­tisch gespal­ten?“ Habeck: „Nein! Das wür­de ich nicht sagen, auch wenn es Ris­se gibt. Wir leben im bes­ten Deutsch­land, das wir je hat­ten! Und das soll­ten wir nicht schlecht­re­den. Frü­her war in der Regel das meis­te schlech­ter.“

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