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„Es ist schlimm, wenn Menschen keinen Wohnraum haben“

Mangelnder Wohnraum zu vernünftigen Preisen ist in Zeiten des Immobilienbooms gerade in Berlin ein drängendes Problem. Mit modernen Ansätzen kann man in der Baubranche Geld und Zeit sparen, sagt Projektentwickler Christoph Gröner in seinem Vortrag über „Bezahlbares Wohnen“.
von Christine Nadler Ausgabe 01/2019

Christoph Gröner
Christoph Gröner, Vorstandsvorsitzender des Berliner Immobilienentwicklers CG-Gruppe. Foto: Amin Akhtar
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Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • In Berlin fehlt bezahlbarer Wohnraum für tausende von Menschen.
  • Projektentwickler Christoph Gröner will das Problem mit Innovation lösen.
  • Der Unternehmer engagiert sich auch privat für sozial schwache Menschen.

Mehr Bil­der vom Wirt­schafts­po­li­ti­schen Früh­stück mit Chris­toph Grö­ner fin­den Sie hier.

Das war ein star­ker Ein­stieg: „Las­sen Sie uns über Reich­tum reden“, sag­te Chris­toph Grö­ner, Chef der Ber­li­ner CG-Grup­pe, mor­gens früh im Lud­wig Erhard Haus. „Mein größ­ter Reich­tum sind mei­ne vier gesun­den Kin­der. Und die sind auch mei­ne bes­te Ener­gie­quel­le.“ In sei­nem Impuls­vor­trag über „Bezahl­ba­res Woh­nen“ hat­te der aus Karls­ru­he stam­men­de Grün­der eines der größ­ten Pro­jekt­ent­wick­lungs­un­ter­neh­men für Woh­nungs­bau in Deutsch­land noch mehr Über­ra­schun­gen parat, die ver­mut­lich so man­ches im Stil­len geüb­te Vor­ur­teil zum Wan­ken brach­ten.

Ute Witt, Vizepräsidentin der IHK Berlin
Ute Witt, Vize­prä­si­den­tin der IHK Ber­lin. Foto: Amin Akhtar

Ute Witt, Vize­prä­si­den­tin der IHK Ber­lin, begrüß­te Grö­ner in Ver­tre­tung von IHK-Prä­si­den­tin Dr. Bea­tri­ce Kramm zum Wirt­schafts­po­li­ti­schen Früh­stück am 13. Dezem­ber und stell­te ihn vor. „Sie ken­nen sicher noch die Rede­wen­dung: Ein Mann – ein Wort. Bei unse­rem heu­ti­gen Gast wür­de man eher sagen: Ein Mann – ein Pla­kat!“ Denn spä­tes­tens seit Chris­toph Grö­ner auf einem 325 Qua­drat­me­ter gro­ßen Rie­sen­ban­ner am ehe­ma­li­gen Post­scheckamt in Kreuz­berg sei­nen Unmut über die Woh­nungs­bau­po­li­tik des Bezirks öffent­lich mach­te, dürf­te sein Bekannt­heits­grad in Ber­lin gestie­gen sein.

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Als jun­ger Unter­neh­mer pack­te Grö­ner über­all mit an

Grö­ner leg­te bald nach Stu­di­en­be­ginn den Grund­stein für sei­ne Kar­rie­re als Bau­ent­wick­ler: 1989 star­te­te er mit „Chris­toph Grö­ner Bau­di­ens­te“ und pack­te über­all am Bau selbst mit an. 1995 über­sie­del­te der jun­ge Stu­di­en­ab­bre­cher und Unter­neh­mer erst nach Leip­zig und 2008 nach Ber­lin. Hier woll­te er für vie­le Mio. Euro Miet­woh­nun­gen ent­wi­ckeln – und wur­de aus­ge­lacht. In Zei­ten der Ban­ken- und Immo­bi­li­en­kri­se sei er damals ziem­lich allein gewe­sen, was sei­ne Pro­gno­se der Miet- und Wohn­raum­ent­wick­lung in Ber­lin anging. „Heu­te muss man nur die Zei­tung auf­schla­gen, dann weiß man, wer mit sei­ner Ein­schät­zung rich­tig lag“, so Witt.

Christoph Görner, links, und Jan Eder
Leb­haf­te Fra­ge­stun­de: IHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Jan Eder (r.) mit Gast Chris­toph Grö­ner beim Wirt­schafts­po­li­ti­schen Früh­stück. Foto: Amin Akhtar

Was man in den Zei­tun­gen aller­dings sel­te­ner liest, sind Berich­te über das sozia­le Enga­ge­ment des Unter­neh­mers. Mit dem Ver­ein „Laug­hing Hearts“ ermög­licht die CG Grup­pe tau­sen­den Ber­li­ner Heim­kin­dern Teil­ha­be am sozia­len und kul­tu­rel­len Leben. Grö­ner berich­te­te den Zuhö­rern, dass er regel­mä­ßig zehn bis zwan­zig Pro­zent sei­nes per­sön­li­chen Gehalts für Kin­der spen­de und die­ses Enga­ge­ment in Zukunft noch ver­stär­ken wol­le.

Ich konn­te in den letz­ten Jah­ren fünf bis zehn Mil­lio­nen Euro jähr­lich in Inno­va­ti­on ste­cken. In einem Markt, in dem wir als größ­tes Unter­neh­men in Deutsch­land gera­de mal ein Pro­zent aus­ma­chen, las­sen sich aber Inno­va­tio­nen und Pro­zess­dis­zi­plin nur schwer durch­set­zen.
Chris­toph Grö­ner

Ob in Zei­tungs­in­ter­views oder Talk­run­den bei Maisch­ber­ger oder Plas­berg: Der Unter­neh­mer hält mit sei­ner Mei­nung nicht zurück. „Ich glau­be, das Unter­neh­mer­tum ist erfolg­reich, wenn man auf sei­nem Weg bleibt und sich nicht beir­ren lässt“, meint Grö­ner. Daher fin­det er es rich­tig, sich zu zei­gen und Mei­nung zu bezie­hen. Und – das schil­der­te er leb­haft – für moder­ne Ide­en in sei­ner Bran­che zu wer­ben, die letzt­lich ein kos­ten­güns­ti­ge­res und schnel­le­res Bau­en ermög­li­chen. „Wenn wir 1,2 Mio. Men­schen haben, die eine Woh­nung suchen – dar­un­ter 600.000 Flücht­lin­ge – dann spre­chen wir über dra­ma­ti­sche gesell­schaft­li­che Ver­wer­fun­gen, und es ist genau­so schlimm, wie Men­schen kein Essen zu geben, wenn wir für sie kei­nen Wohn­raum haben.“

Mit digi­ta­len Tools lässt sich schnel­ler und güns­ti­ger bau­en

Grö­ner rech­ne­te vor, dass wir „schnell“ 500.000 bis 600.000 Woh­nun­gen brau­chen wür­den. Allei­ne für den Bau von 100.000 Woh­nun­gen benö­ti­ge man 100.000 Fach­ar­bei­ter und 20.000 Exper­ten wie Archi­tek­ten und Inge­nieu­re. Und die haben wir nicht. Also müs­se man ande­re Wege über­le­gen, um die Pro­duk­ti­vi­tät in der Bau­bran­che zu ver­bes­sern. Ein moder­nes und effi­zi­en­tes Mit­tel sei in sei­nen Augen das „Buil­ding Infor­ma­ti­on Model­ling“ (BIM), mit dem man eine 3-D-Visi­on eines Bau­ob­jek­tes kom­plett durch­kal­ku­lie­ren und pla­nen kann. Man wis­se nicht nur genau, wo wel­che Lei­tung, Wand oder Tür hin­kommt und wie groß alles sein muss – man kann auch schnel­ler und kos­ten­güns­ti­ger arbei­ten.

Andreas R. Becher
Andre­as R. Becher, Ber­li­ner Lan­des­vor­sit­zen­der des Bun­des Deut­scher Archi­tek­ten. Foto: Amin Akhtar

„Wir haben ein Objekt par­al­lel kal­ku­liert: klas­sisch und mit Hil­fe von BIM. Rund zehn Pro­zent der Bau­kos­ten kön­nen gespart wer­den.“ Vor allem ermög­licht BIM auch eine Vor­pro­duk­ti­on von Wän­den oder ande­ren Bau­tei­len, die wie­der­um die Bau­ge­schwin­dig­keit ver­bes­sert. Man kann also mehr und güns­ti­ge­re Woh­nun­gen in kür­ze­rer Zeit erstel­len – genau das, was drin­gend benö­tigt wird. IHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Jan Eder bedank­te sich für das offe­ne Gespräch und die leb­haf­te Dis­kus­si­ons­run­de im Anschluss: „Las­sen Sie uns die Ein­falls­lo­sig­keit der Poli­tik über­win­den.“

Vita

Chris­toph Grö­ner, gebo­ren 1968 in Karls­ru­he, grün­de­te bereits wäh­rend sei­nes Maschi­nen­bau-Stu­di­ums in Kai­sers­lau­tern ein Bau­ge­schäft. Ohne Hoch­schul­ab­schluss ging er 1995 er nach Leip­zig und mach­te sich dort einen Namen mit der Sanie­rung his­to­ri­scher Bau­sub­stanz.

2008 zog es den Self­made-Mann erst­mals nach Ber­lin – mit­ten in die begin­nen­de Ban­ken­kri­se hin­ein, die auch der Bau­wirt­schaft mas­siv zusetz­te. Zwei Jah­re spä­ter ver­la­ger­te Grö­ner den Haupt­sitz des Unter­neh­mens an die Spree. Zur­zeit betreut die CG Grup­pe AG in Ber­lin zwölf Pro­jek­te.


Unternehmens-Profile

CG Grup­pe AG

Immo­bi­li­en­ent­wick­lungs­ge­sell­schaft mit Sitz in Ber­lin

800

Mit­ar­bei­ter hat die CG Grup­pe inge­samt. Sie ist mit Nie­der­las­sun­gen in zwölf deut­schen Städ­ten prä­sent.

1,5 Mio.

Qua­drat­me­ter Wohn- und Gewer­be­flä­chen ent­wi­ckelt die Grup­pe aktu­ell. Schon 25 Pro­jek­te wer­den mit „BIM“ rea­li­siert.
Stand 01.2019

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