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Veränderung heißt das Ziel

Zu Gast bei der IHK: Bundesfamilienministerin Franziska Giffey punktete bei den Berliner Unternehmern im Ludwig Erhard Haus mit klaren Worten, einer guten Portion Humor und einem zupackenden Pragmatismus.
von Christine Nadler Ausgabe 05/2019

Geboren 1978 in Frankfurt (Oder), wurde Giffey mit 24 Jahren Europa-Beauftragte von Neukölln. Ab 2003 studierte sie Europäisches Verwaltungsmanagement. 2015 wurde sie Bezirksbürgermeisterin von Neukölln, 2018 Bundesfamilienministerin. Giffey ist verheiratet und hat einen Sohn
Geboren 1978 in Frankfurt (Oder), wurde Giffey mit 24 Jahren Europa-Beauftragte von Neukölln. Ab 2003 studierte sie Europäisches Verwaltungsmanagement. 2015 wurde sie Bezirksbürgermeisterin von Neukölln, 2018 Bundesfamilienministerin. Giffey ist verheiratet und hat einen Sohn. Foto: Amin Akhtar
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Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • Beim morgendlichen Podiumsgespräch priorisiert die Bundesfamilienministerin die Themen Chancengleichheit, Kita und Ausbildung.
  • Giffey findet: Die SPD muss deutlicher zeigen, für wen sie da ist.

Mit ihrer Her­kunft aus dem Land­kreis Oder-Spree ist sie ‚eine von uns‘ – aus unser Regi­on Ber­lin-Bran­den­burg“, stell­te IHK-Prä­si­den­tin Dr. Bea­tri­ce Kramm fest, als sie am 4. April Dr. Fran­zis­ka Gif­fey, Bun­des­mi­nis­te­rin für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend, zum Wirt­schafts­po­li­ti­schen Früh­stück der IHK Ber­lin begrüß­te. Gleich­zei­tig beton­te Kramm, dass die Minis­te­rin mit der Haupt­stadt schon län­ger ver­bun­den sei, schließ­lich hat­te ihr poli­ti­scher Weg in Ber­lin-Neu­kölln begon­nen. „Jeder hier im Raum weiß, was das bedeu­tet: alle Pro­ble­me, die eine Stadt haben kann, ver­dich­tet und poten­ziert in einem Bezirk“, so Kramm. Die­ses Image woll­te Gif­fey so aller­dings nicht ste­hen las­sen: „Neu­kölln ist mehr als die Sum­me sei­ner Pro­ble­me. Und die Pro­ble­me machen nicht an den Bezirks­gren­zen halt“, sag­te die Minis­te­rin, deren Vor­trag sich mit „fami­li­en­ori­en­tier­ter Unter­neh­mens­kul­tur als Motor des Erfolgs“ beschäf­tig­te.

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Chan­cen­gleich­heit, Kita­plät­ze und eine gute Aus­bil­dung sind The­men, die der Minis­te­rin am Her­zen lie­gen. Es dür­fe für die schu­li­sche Lauf­bahn nicht aus­schlag­ge­bend sein, so Gif­fey, in wel­chem Bezirk ein Kind gebo­ren wird oder auf­wächst. Schon bei die­sen grund­le­gen­den Vor­aus­set­zun­gen spielt auch die Kita eine Rol­le, weil dort die früh­kind­li­che Bil­dung mit­ge­prägt wird. „Wenn wir hier nicht inves­tie­ren, wird es eines Tages ein gesell­schaft­li­ches Pro­blem geben“, erklär­te Gif­fey. Es sei ein rie­si­ger Fort­schritt, dass es in Ber­lin kei­ne Kita-Gebüh­ren gibt, beton­te die Minis­te­rin. In ande­ren Bun­des­län­dern wür­den oft hohe Kita-Gebüh­ren ver­langt, was in der Fol­ge dazu füh­ren wür­de, dass Eltern län­ger zu Hau­se blie­ben und in ihren Betrie­ben als Fach­kräf­te unnö­tig lan­ge fehl­ten.

Auch Geset­zes­ti­tel sol­len ver­ständ­lich sein

Fran­zis­ka Gif­feys Vor­lie­be für kla­re Wor­te fin­det sich auch in den Namen der Geset­ze wie­der, die aus ihrem Haus kom­men. Das „Gute-Kita-Gesetz“ bei­spiels­wei­se oder das „Star­ke-Fami­li­en-Gesetz“. Gif­fey dazu: „Das ‚Gute-Kita-Gesetz‘ soll­te anders hei­ßen, aber ich möch­te, dass die Men­schen ver­ste­hen, was die Geset­ze wol­len.“ In jedem Fall geht es um bes­se­re Qua­li­tät in den Kitas, dar­an ließ Gif­fey kei­nen Zwei­fel.

Fran­zis­ka Gif­feys Fai­ble für kla­re Wor­te fin­det sich auch in Geset­zes­ti­teln wie­der, etwa dem ‚Gute-Kita-Gesetz‘.
Dr. Bea­tri­ce Kramm, Prä­si­den­tin der IHK Ber­lin

IHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Jan Eder stell­te zum Start des zwei­ten Teils der Ver­an­stal­tung eine per­sön­li­che Fra­ge: „Von der Regio­nal­li­ga in die Bun­des­li­ga: Wie wird man Bun­des­mi­nis­te­rin, wenn man Ber­li­ner Regio­nal­po­li­tik macht?“ Gif­feys Ant­wort: „Das war nicht so geplant – ich war selbst über­rascht. Aber ich habe gemerkt, dass man als Bezirks­bür­ger­meis­te­rin nicht so vie­les ver­bes­sern kann. Des­halb habe ich ange­nom­men: weil ich mehr zum Guten ändern will.“ Die Fra­ge­run­de mit dem Publi­kum glie­der­te Eder in drei the­ma­ti­sche Abschnit­te: Kin­der, die die Fach­kräf­te von mor­gen sind, Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf und schließ­lich die SPD.

Sie haben das Kunst­stück geschafft: von der Regio­nal- in die Bun­des­li­ga. Und Sie bekom­men extrem gute Noten.
Jan Eder, IHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer

Rund 120.000 Fach­kräf­te feh­len zur­zeit in Deutsch­land – und kei­ner weiß, wo er sei­ne Leu­te her­be­kom­men soll. Sie feh­len bei der öffent­li­chen Hand wie in der Pri­vat­wirt­schaft – in allen Bran­chen und allen Hand­wer­ken. „Wir arbei­ten im Fami­li­en­mi­nis­te­ri­um an guten Rah­men­be­din­gun­gen für Müt­ter und Väter. Wir schau­en, wie Leben und Arbei­ten zusam­men­pas­sen kön­nen“, so Gif­fey. Seit das Eltern­geld ein­ge­führt wur­de, gehen immer mehr Väter in eine Eltern­zeit. Und 87 Pro­zent der Men­schen haben in einer Umfra­ge gesagt: „Eigent­lich ist die Fami­lie mein Lebens­mit­tel­punkt.“ Also sind am Ende „Zeit für die Fami­lie“, „Ver­ein­bar­keit“ und „Fami­li­en­freund­lich­keit“ wich­ti­ge Argu­men­te, die bei der Anwer­bung von Fach­kräf­ten eine immer grö­ße­re Rol­le spie­len. An die­ser Stel­le wies die Bun­des­mi­nis­te­rin auf das Netz­werk „Erfolgs­fak­tor Fami­lie“ hin, dem sich schon vie­le Unter­neh­men ange­schlos­sen hät­ten. Gera­de wird dort eine Art „Fort­schritts­fak­tor für Fami­li­en­freund­lich­keit“ ent­wi­ckelt. Unter­neh­men könn­ten ihre Gewin­ne stei­gern, wenn sie die­se Fak­to­ren ernst neh­men wür­den.

SPD muss klar­ma­chen, für wen sie da ist

„Fami­lie, Nach­barn und Par­tei­freun­de kann man sich nicht aus­su­chen“, hieß es im letz­ten Block – und es soll­te um den Zustand der SPD gehen. Vie­les, was die SPD an Vor­schlä­gen auf den Tisch legt, dürf­te mit dem Koali­ti­ons­part­ner kaum zu machen sein, spiel­te Eder das The­ma an: „Wann kommt das ‚Gute-SPD-Gesetz‘?“ Gif­fey erin­ner­te an die Wur­zeln der SPD: „Dies war die Par­tei der Arbei­ten­den – und noch heu­te gibt es pre­kä­re Arbeits­ver­hält­nis­se. Die SPD muss bes­ser her­aus­stel­len: Für wen sind wir da?“ Sie wol­le sich in ihrer Arbeit nicht von den Debat­ten um die Koali­ti­on auf­hal­ten las­sen: „Einer muss mal anfan­gen! Man darf sich nicht kaputt­re­den las­sen, ein­fach anzu­fan­gen, Bedin­gun­gen zu schaf­fen, die für die Men­schen rich­tig sind!“ – Und dafür gab es am Ende vom zahl­rei­chen Saal­pu­bli­kum einen ganz kräf­ti­gen Bei­fall.

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