Das Magazin der IHK Berlin

Agen­da

„Wer Zukunft googelt, landet nie bei Marx“

Die Kernthemen Wohnen, Mobilität und Verwaltung bestimmten die Ausführungen von Sebastian Czaja, der keinen Zweifel daran ließ, dass er die Berliner Politik für verbesserungswürdig hält.
von Mary Herrmann Ausgabe 04/2019

Zu Gast im Ludwig Erhard Haus: Sebastian Czaja (M.) mit IHK-Präsidentin Dr. Beatrice Kramm und IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder
Zu Gast im Ludwig Erhard Haus: Sebastian Czaja (M.) mit IHK-Präsidentin Dr. Beatrice Kramm und IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder. Foto: Ricarda Spiegel
Lesenswert

Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • Besonders im Baubereich sieht Sebastian Czaja großes Verbesserungspotenzial.
  • Eine Koalition mit der AfD schließt der FDP-Politiker aus.

Bereits bei der Begrü­ßung des Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den der Ber­li­ner FDP, Sebas­ti­an Cza­ja, zum Wirt­schafts­po­li­ti­schen Früh­stück der IHK hob die Prä­si­den­tin Dr. Bea­tri­ce Kramm den auf­fäl­li­gen Titel sei­nes Vor­trags her­vor.: „Wer Zukunft goo­gelt, lan­det nie bei Marx…“ Die­se poli­ti­sche Über­zeu­gung zog sich dann auch wie ein Grund­rau­schen durch das gesam­te Früh­stück.

Vor einem inter­es­sier­ten Unter­neh­mer­pu­bli­kum stell­te der jun­ge FDP-Poli­ti­ker, der sei­ne Ansich­ten auch öffent­lich­keits­wirk­sam mit poli­ti­schen Aktio­nen oder prä­gnan­ten Äuße­run­gen in den sozia­len Medi­en ver­tritt, sei­ne Vor­schlä­ge für die wach­sen­de Stadt Ber­lin vor. Die drän­gen­den Kern­the­men Woh­nen, Mobi­li­tät und Ver­wal­tung präg­ten sei­ne Aus­füh­run­gen.

Ser­vice

Down­loads & Links

Allein in den nächs­ten zwölf Jah­ren benö­ti­ge die Haupt­stadt 194.000 neue Woh­nun­gen, ein gan­zer Bezirk müs­se neu geschaf­fen wer­den. „In staat­li­cher Obhut wer­den sich Woh­nun­gen aber nicht ver­meh­ren“, stell­te Cza­ja mit Blick auf die hit­zi­ge Ent­eig­nungs-Debat­te fest und for­der­te statt­des­sen: „Aus­bau­en, umbau­en, neu bau­en.“ Mit muti­gen Schrit­ten sol­le die Stadt vor­an­ge­hen und eine Novel­lie­rung der Bau­ord­nung anstre­ben, für die sei­ne Par­tei Vor­schlä­ge ein­brin­gen will. Der Aus­bau von Dach­ge­schos­sen, die Nach­nut­zung von Tief­ga­ra­gen oder die Ver­dich­tung von Wohn­raum – kei­ne inno­va­ti­ven Ide­en sol­len dabei aus­ge­schlos­sen wer­den. Cza­ja plä­dier­te für ein Stadt­ka­tas­ter, um mög­li­che Bau­lü­cken zu erken­nen. Er befür­wor­te­te zudem ein neu­es Volks­be­geh­ren zur Rand­be­bau­ung des Tem­pel­ho­fer Fel­des.

Meh­re­re Unter­neh­mer beschwer­ten sich, dass Bau­en in Ber­lin regel­recht ver­hin­dert wer­de, und frag­ten bei dem FDP-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den nach, ob es nicht sinn­vol­ler sei, die Infra­struk­tur nach Bran­den­burg aus­zu­bau­en. Cza­ja befür­wor­te­te die­sen Aus­bau, setz­te aber sei­nen Fokus ganz klar auf das Schaf­fen von Wohn­raum in Ber­lin. Davon abge­se­hen müs­se es einen öffent­li­chen Nah­ver­kehr geben, der zum Umstei­gen ein­la­de und nicht an den Rand­be­zir­ken ende. Mehr am Her­zen aber liegt Cza­ja die glo­ba­le Anbin­dung Ber­lins über den Luft­ver­kehr. Der Initia­tor des Volks­be­geh­rens zum Wei­ter­be­trieb des Flug­ha­fens Tegel warb erneut dafür, die­sen nach der Eröff­nung des BER wei­ter­zu­be­trei­ben, um den stei­gen­den Flug­ver­kehr zu sichern und Lang­stre­cken aus­zu­bau­en.

In staat­li­cher Obhut wer­den sich Woh­nun­gen nicht ver­meh­ren. Was wir brau­chen, ist ,Aus­bau­en, umbau­en, neu bau­en‘. Die Stadt soll­te mit muti­gen Schrit­ten vor­an­ge­hen und eine Novel­lie­rung der Bau­ord­nung anstre­ben.
Sebas­ti­an Cza­ja, Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der Ber­li­ner FDP

Wider­sin­nig fin­det Cza­ja auch nicht zen­tral abge­stimm­te Bau­stel­len auf gro­ßen Ver­bin­dungs­stra­ßen zwi­schen ver­schie­de­nen Bezir­ken. Sol­che Dop­pel­struk­tu­ren möch­te er ver­mei­den und setzt sich für eine Enquete-Kom­mis­si­on ein, die die Ver­ant­wort­lich­kei­ten in der Ver­wal­tung klar regeln soll. Ins­ge­samt sieht Cza­ja nur mit einer digi­ta­le­ren Ver­wal­tung eine Zukunft für die Anfor­de­run­gen der wach­sen­den Stadt.

Auf die Fra­ge nach den Mög­lich­kei­ten zukünf­ti­ger Koali­tio­nen mit FDP-Betei­li­gung zeig­te sich Cza­ja offen. CDU und SPD sei­en mög­li­che Part­ner, aber auch eine Jamai­ka-Koali­ti­on mit der CDU und den Grü­nen kön­ne er sich vor­stel­len. Der AfD als mög­li­chem Koali­ti­ons­part­ner erteil­te Cza­ja hin­ge­gen eine kla­re Absa­ge.

Das könnte Sie auch interessieren – weitere Artikel dieser Kategorie


Newsletter

Jetzt unseren Newsletter abonnieren und informiert bleiben!