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„Wir sind bekannt für unseren offenen Stil“

Auf Einladung der IHK zu Gast in Berlin: Der österreichische Unternehmer und Investor René Benko vermittelt einen Eindruck davon, warum er so erfolgreich ist.
von Christine Nadler Ausgabe 12/2019

1977 in Innsbruck geboren, brach René Benko die Schule ab und avancierte sehr schnell zum erfolgreichen Immobilien-Entwickler
1977 in Innsbruck geboren, brach René Benko die Schule ab und avancierte sehr schnell zum erfolgreichen Immobilien-Entwickler. 2013 zog er sich aus der operativen Führung seiner Signa Holding zurück. Foto: Kerstin Jana Kater
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Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • René Benko wurde in wenigen Jahren zum erfolgreichen Unternehmer – als Schulabbrecher.
  • In Deutschland erwarb er Karstadt und Galeria Kaufhof, jetzt expandiert Benko in die USA.
  • Benko glaubt an die Zukunft von Warenhäusern und gewachsenen Innenstädten.

Das Unter­neh­mer­tum wur­de ihm nicht in die Wie­ge gelegt, und doch gilt René Ben­ko als Aus­nah­me-Unter­neh­mer: Der öster­rei­chi­sche Inves­tor im Immo­bi­li­en-, Medi­en- und Han­dels­be­reich, Grün­der der Signa Hol­ding und heu­ti­ge Mil­li­ar­där war Anfang Novem­ber zu Gast beim Wirt­schafts­po­li­ti­schen Früh­stück der IHK Ber­lin. Das „Ali­ce Roof­top & Gar­den“ oben im Stil­werk war mit rund 200 Unter­neh­mern bes­tens besucht. Wie IHK- Vize­prä­si­den­tin Ute Witt, die den Gast begrüß­te, wit­zel­te: „Wenn der Andrang so groß ist wie heu­te, dann ent­schei­den wir uns für mehr Gäs­te und weni­ger Früh­stück.“ Pas­send zum Erfolg von René Ben­ko und der von ihm gegrün­de­ten Signa Grup­pe lau­te­te das Mot­to der Ver­an­stal­tung: „Bes­ser, Höher, Wei­ter“.

Aus dem all­seits bekann­ten und gern pos­tu­lier­ten ,Think big‘ mach­te René Ben­ko ,Think big­ger‘.
Ute Witt, Vize­prä­si­den­tin der IHK Ber­lin
Ser­vice

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Mit 23 Jah­ren erfolg­rei­cher Immo­bi­li­en-Ent­wick­ler

Ute Witt stell­te den Gast vor: Schon mit 23 Jah­ren war Ben­ko erfolg­rei­cher Immo­bi­li­en-Ent­wick­ler. Die Schu­le ver­ließ er vor dem Abitur und besuch­te erst spä­ter eine Han­dels- und Wirt­schafts­aka­de­mie. Mit 17 Jah­ren lern­te er im Unter­neh­men eines Freun­des der Fami­lie die Immo­bi­li­en­bran­che ken­nen. „Und Sie haben sich schon mit 17 für Dach­bö­den inter­es­siert?“, hak­te IHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Jan Eder spä­ter nach. „Ja“, erklär­te Ben­ko, „das hat mich sogar so sehr inter­es­siert, dass ich nicht mehr viel zur Schu­le gegan­gen bin.“ Der Unter­neh­mer beton­te aber auch, dass er damit kein Vor­bild sein wol­le, im Gegen­teil: „Gute Aus­bil­dung ist wich­tig.“ Jeden­falls hat er damals die „für klei­nes Geld“ ange­kauf­ten Dach­bö­den zu Luxus­woh­nun­gen aus­ge­baut und wei­ter­ver­kauft.

René Benko (m.) mit IHK-Vizepräsidentin Ute Witt (l.) und Hauptgeschäftsführer Jan Eder
René Ben­ko (M.) mit IHK-Vize­prä­si­den­tin Ute Witt und Haupt­ge­schäfts­füh­rer Jan Eder. Foto: Kers­tin Jana Kater

2010 ver­wan­del­te er in sei­ner Hei­mat­stadt Inns­bruck ein klei­nes Waren­haus, das „Tyrol“, in eine flo­rie­ren­de Mall – nach einem Ent­wurf des Star-Archi­tek­ten David Chip­per­field, den er seit­dem sehr schätzt: „Er hat ein frü­hes Auge auf Zukunfts­ent­wick­lun­gen.“ Ben­ko beschäf­tigt heu­te bei sei­nen Immo­bi­li­en­pro­jek­ten einen „Strauß von Spit­zen-Archi­tek­ten“. Wie er sag­te, sei es ein Vor­teil, wenn man „pri­vat bau­en kann“ und nicht öffent­lich aus­schrei­ben muss. „Wir holen uns die bes­ten Pro­jekt­ma­na­ger, die sich öffent­li­che Bau­her­ren nicht leis­ten kön­nen oder dür­fen“, erklär­te Ben­ko.

2001 grün­de­te Ben­ko gemein­sam mit dem Kfz-Händ­ler und Tank­stel­len­er­ben Karl Kova­rik, der 26 Mio. Euro Start­hil­fe leis­te­te, die Immo­fi­na Hol­ding GmbH, die 2006 in Signa Hol­ding GmbH umbe­nannt wur­de. Die größ­te Toch­ter­ge­sell­schaft der Hol­ding ist heu­te die Signa Prime Selec­tion AG: Sie ist Eigen­tü­me­rin von Immo­bi­li­en in bes­ten Innen­stadt­la­gen, dazu gehö­ren das KaDeWe, der Upper West Tower an der Gedächt­nis­kir­che, das Park Hyatt und das Gol­de­ne Quar­tier in Wien sowie das Als­ter­haus und die Als­ter­ar­ka­den in Ham­burg. Das Kon­zept Waren­haus war schon fast tot­ge­sagt, da leg­te Signa Kar­stadt und Kauf­hof zusam­men: Dies brin­ge sehr gute Syn­er­gi­en bei Ein­kauf und Logis­tik, wie Ben­ko sagt.

Die Fra­ge, die sich stellt, ist: Wie bringt man den Online-Kun­­­den in den Laden?
Jan Eder IHK-Haupt­ge­­schäfts­­­füh­­rer

Auch die in Ber­lin viel dis­ku­tier­ten neu­en Hoch­haus­bau­ten sowie Kar­stadt Kur­fürs­ten­damm und Kar­stadt am Her­mann­platz waren The­ma. Beson­ders span­nend gestal­tet sich der Umbau des Kar­stadt-Gebäu­des am Her­mann­platz. Bezirks­po­li­ti­ker spre­chen von „Monu­men­tal­bau“ und hal­ten den geplan­ten Neu­bau  für über­zo­gen und unan­ge­mes­sen. Der IHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer frag­te nach: „Was sind Ihre Stra­te­gi­en, doch noch das zu bekom­men, was Sie wol­len?“ Ben­ko erklär­te: „Wir sind bekannt für unse­ren offe­nen Stil. Wir reden mit­ein­an­der, wir wol­len, dass etwas gut funk­tio­niert.“ Dis­kus­sio­nen gebe es in allen Städ­ten. „Wir gehen das immer mit sehr viel Geduld an. Am Ende kom­men wir ans Ziel, weil wir ein Pro­jekt auch mal zehn Jah­re ruhen las­sen kön­nen. Das heißt, man muss auch finan­zi­el­le Geduld haben.“

Auf Jan Eders Fra­ge, was Ber­lin und Wien von­ein­an­der ler­nen könn­ten, ant­wor­te­te Ben­ko: In Wien gebe es über 200.000 Woh­nun­gen in öffent­li­cher Hand, und das schei­ne dort gut zu funk­tio­nie­ren. Aber er sei ein Ber­lin-Fan: Sein Haupt­quar­tier in Deutsch­land ist in Ber­lin.

Die Zukunft von Signa dürf­te aber auch noch in ganz ande­ren Regio­nen lie­gen: In die­sem Jahr beschloss die Grup­pe, ihre Immo­bi­li­en­ak­ti­vi­tä­ten auf den US-Markt aus­zu­deh­nen, und erwarb gemein­sam mit einem eta­blier­ten US-Part­ner das Chrys­ler Buil­ding in New York. Ben­ko will es – abge­stimmt mit dem Denk­mal­schutz – wie­der als Büro-Immo­bi­lie bewirt­schaf­ten.

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