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Berliner Pakt für die Pflege

Dilek Kalayci, Berliner Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, hebt die Bedeutung des Gesundheitsstandortes hervor und kündigt an, im Schulterschluss mit anderen den steigenden Bedarf an Fachkräften zu bewältigen.
von Eli Hamacher Ausgabe 10/2019

Seit ihrem dritten Lebensjahr in Berlin, studierte die in der Türkei geborene Dilek Kalayci an der TU Wirtschaftsmathematik
Seit ihrem dritten Lebensjahr in Berlin, studierte die in der Türkei geborene Dilek Kalayci an der TU Wirtschaftsmathematik. Foto: Christian Kruppa
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Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • Dilek Kalayci setzt für den Gesundheitsstandort Berlin auf Kooperation.
  • Die SPD-Politikerin bekam viel Zuspruch von der Berliner Wirtschaft.

Bei so viel Lob konn­te der Arbeits­tag von Dilek Kalay­ci eigent­lich nur blen­dend begin­nen. Einen aus­drück­li­chen Dank für die kon­struk­ti­ve Zusam­men­ar­beit rich­te­te IHK-Prä­si­den­tin Dr. Bea­tri­ce Kramm zum Auf­takt des Wirt­schafts­po­li­ti­schen Früh­stücks der IHK Ber­lin an die Ber­li­ner Sena­to­rin für Gesund­heit, Pfle­ge und Gleich­stel­lung. Sie sei prag­ma­tisch und ziel­ori­en­tiert und sehe die Wirt­schaft als Part­ner bei der Bewäl­ti­gung aktu­el­ler Pro­ble­me und bezie­he sie ganz selbst­ver­ständ­lich bei der Lösungs­su­che ein. Das sei bedau­er­li­cher­wei­se kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit in die­ser Stadt. Dank Kalay­cis ideo­lo­gie­frei­er, ziel- und gemein­wohl­ori­en­tier­ter Poli­tik arbei­te­ten die Unter­neh­men seit Jah­ren eng mit der SPD-Poli­ti­ke­rin zusam­men, etwa bei der Inte­gra­ti­on von Geflüch­te­ten eben­so wie bei Kam­pa­gnen zur Gleich­stel­lung der Frau wie der 2018 neu auf­ge­leg­ten „Gleich­stel­lung gewinnt“ von Senats­ver­wal­tung, IHK und Hand­werks­kam­mer. 

Bei dem, was der Senat gera­de so treibt, hat die Wirt­schaft das Gefühl, er spielt gegen sie.
Jan Eder, IHK-Haupt­ge­­schäfts­­­füh­­rer

An wei­te­ren gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen fehlt es laut Kramm nicht. Dazu gehör­ten der Pfle­ge­man­gel bei älter wer­den­der Bevöl­ke­rung sowie die Siche­rung Ber­lins als füh­ren­der Gesund­heits­stand­ort Deutsch­lands, sag­te sie in ihrer Begrü­ßung beim Wirt­schafts­po­li­ti­schen Früh­stück, das wegen Umbau­ar­bei­ten erst­mals nicht im Lud­wig Erhard Haus statt­fand, son­dern im benach­bar­ten Stil­werk an der Kant­stra­ße.

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Erfolg­rei­cher Gesund­heits­stand­ort Ber­lin

Kalay­ci beton­te in ihrem Vor­trag, wie uner­war­tet gut sich der Gesund­heits­stand­ort Ber­lin ent­wi­ckelt habe. „Das hät­te vor zehn bis 15 Jah­ren nie­mand für mög­lich gehal­ten.“ Phar­ma-, Medi­zin- und Bio­tech­un­ter­neh­men, eine leben­di­ge Start-up-Sze­ne sowie Kran­ken­häu­ser, Pfle­ge­diens­te, Reha-Kli­ni­ken und Uni­ver­si­tä­ten trü­gen bereits 13 Pro­zent zur Wert­schöp­fung der Stadt bei. In der Haupt­stadt­re­gi­on arbei­ten mehr als 370.000 Men­schen im Bereich der Gesund­heits­wirt­schaft, die fast 22.000 Unter­neh­men erwirt­schaf­ten 27 Mrd. Euro Umsatz. Da die Bevöl­ke­rung älter wer­de und die Stadt gleich­zei­tig wach­se, müs­se Ber­lin aber den stei­gen­den Bedarf an Fach­kräf­ten bewäl­ti­gen. Das will die Gesund­heits­se­na­to­rin mit dem „Ber­li­ner Pakt für die Pfle­ge“ errei­chen, für den sie Kran­ken­kas­sen, Arbeit­ge­ber- und Arbeit­neh­mer­ver­bän­de an einen Tisch geholt hat. Pfle­ge­kräf­te sol­len bes­ser ver­gü­tet wer­den, und die Zahl der Aus­zu­bil­den­den in der Pfle­ge in Ber­lin soll deut­lich stei­gen.

Dem Berliner Senat gehört Dilek Kalayci seit 2011 an, zuerst als Senatorin für Arbeit, Frauen und Integration, seit Dezember 2016 ist sie Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung
Dem Ber­li­ner Senat gehört Dilek Kalay­ci seit 2011 an, zuerst als Sena­to­rin für Arbeit, Frau­en und Inte­gra­ti­on, seit Dezem­ber 2016 ist sie Sena­to­rin für Gesund­heit, Pfle­ge und Gleich­stel­lung.

Auch die Gesund­heit der Ber­li­ner liegt Dilek Kalay­ci am Her­zen. Ihr Zitat, sie sei schließ­lich nicht die Krank­heits­se­na­to­rin, son­dern die Gesund­heits­se­na­to­rin, sorg­te für all­ge­mei­ne Hei­ter­keit. Mit ihrer Kam­pa­gne „Ber­lin bewegt sich“ will die Poli­ti­ke­rin gemein­sam mit dem Lan­des­sport­bund kos­ten­lo­se von Übungs­lei­tern beglei­te­te Sport-Ange­bo­te im öffent­li­chen Raum, etwa in Parks, machen und mit ihnen vor allem auch sozia­le Schich­ten errei­chen, für die Zugang zu sport­li­cher Betä­ti­gung nicht so ein­fach ist. In ihrem drit­ten Ver­ant­wor­tungs­be­reich, der Gleich­stel­lung, macht Kalay­ci gute Fort­schrit­te aus. So hät­ten sich der Kam­pa­gne „Gleich­stel­lung gewinnt“ bereits mehr als 100 Ber­li­ner Unter­neh­men ange­schlos­sen, dar­un­ter mitt­ler­wei­le auch fünf Bau­fir­men. Dass gemisch­te Teams gewinn­brin­gend für die Wirt­schaft sei­en, sei auch in Ber­lin ange­kom­men.

Wenn Zehn­tau­sen­de Pfle­ger feh­len und die Men­schen immer älter wer­den, ist das ein gro­ßes gesamt­ge­sell­schaft­li­ches Pro­blem.
Dr. Bea­tri­ce Kramm, Prä­si­den­tin der IHK Ber­lin

Gesund­heits­se­na­to­rin ist der bes­se­re Job

Die anschlie­ßen­de Dis­kus­si­ons­run­de läu­te­te IHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Jan Eder wie üblich mit einer per­sön­li­chen Fra­ge ein. Wel­cher Pos­ten ihr mehr Spaß gemacht habe: Arbeits­se­na­to­rin in der Gro­ßen Koali­ti­on von 2011 bis 2016 oder Gesund­heits­se­na­to­rin im rot-rot-grü­nen Senat? Da muss­te die 52-Jäh­ri­ge nicht lan­ge über­le­gen: „Ich soll ja ehr­lich sein, Gesund­heit.“

Ein Res­sort, in dem sie bereits vie­le Initia­ti­ven ange­scho­ben hat. Wie man die seit Lan­gem dis­ku­tier­te bes­se­re Ver­zah­nung von Cha­rité und Vivan­tes errei­chen kön­ne, woll­te Eder von sei­nem Gast wis­sen. Die Cha­rité als eine der größ­ten Uni­ver­si­täts­kli­ni­ken Euro­pas und Vivan­tes als größ­ter Ver­sor­ger in Ber­lin wür­den fast 50 Pro­zent der Ver­sor­gung der Stadt abde­cken, beton­te Kalay­ci. Geplant sei unter ande­rem ein neu­er Aus­bil­dungs­cam­pus für Gesund­heits- und Pfle­ge­be­ru­fe mit moderns­ter Tech­nik, Schu­le, Biblio­thek und Wohn­raum. Das sei ein Ergeb­nis der vom Regie­ren­den Bür­ger­meis­ter von Ber­lin, Micha­el Mül­ler, ein­be­ru­fe­nen Zukunfts­kom­mis­si­on „Gesund­heits­stadt Ber­lin 2030“. „Wir wol­len bun­des­weit ein Leucht­turm wer­den und die Pfle­ge­be­ru­fe raus aus der Schmud­del­ecke brin­gen.“  Nicht nur zu Beginn, auch am Ende gab es ein dickes Lob. Als „All­zweck­waf­fe der Ber­li­ner SPD“ mit Durch­set­zungs­ver­mö­gen und Sach­ori­en­tie­rung bezeich­ne­te Eder die ehe­ma­li­ge Arbeits­se­na­to­rin. Das Urteil teil­te offen­bar auch das Publi­kum und ver­ab­schie­de­te die Poli­ti­ke­rin mit einem kräf­ti­gen Applaus.

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