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Agen­da

Klappt die BER-Anbindung?

Die IHK Berlin hat die notwendigen Maßnahmen zur BER-Verkehrsanbindung aufgezeigt – der Senat muss jetzt bei ÖPNV wie Straßenbau dringend handeln.
von Katharina Zalewski Ausgabe 02/2020

Um den BER auch künftig gut erreichen zu können, braucht es Investitionen in den Schienen- und Straßenverkehr
Um den BER auch künftig gut erreichen zu können, braucht es Investitionen in den Schienen- und Straßenverkehr. Foto: Getty Images/Stockbyte
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Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • Mit dem BER-Eröffnungstermin 31. Oktober wird es noch enger auf den Straßen.
  • Wie es um die künftige Anbindung der Stadt steht, hat die IHK analysieren lassen.
  • Sowohl im Straßenverkehr als auch im ÖPNV muss rasch mehr investiert werden.

Es wird noch enger wer­den auf den Stra­ßen von Ber­lin, wenn am 31. Okto­ber die­ses Jah­res der Groß­flug­ha­fen BER eröff­net. Vie­le Flug­gäs­te, aber auch die zahl­rei­chen Beschäf­tig­ten des Flug­ha­fens wer­den auf den öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr ange­wie­sen sein, um pünkt­lich nach Schö­ne­feld zu kom­men. Doch in der öffent­li­chen Nah­ver­sor­gung klaf­fen infra­struk­tu­rel­le Lücken, wie die Ver­kehrs- ana­ly­se der IHK Ber­lin deut­lich zeigt. Das­sel­be gilt für den Stra­ßen­ver­kehr. Wel­che Maß­nah­men nun durch den Senat ergrif­fen wer­den müs­sen, um eine schnel­le Ver­kehrs­an­bin­dung sicher­zu­stel­len, hat die IHK Ber­lin in einem For­de­rungs­pa­pier zusam­men­ge­stellt, das ins­ge­samt zwölf Punk­te umfasst.

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Bereits im ver­gan­ge­nen Jahr haben die IHKs aus Ber­lin und Bran­den­burg die Ergeb­nis­se der Ver­kehrs- und Eng­pas­s­ana­ly­se zur Ver­kehrs­in­fra­struk­tur im Flug­ha­fen­um­feld vor­ge­stellt. Zur ver­tie­fen­den Ana­ly­se schau­te sich die IHK Ber­lin die Ergeb­nis­se gemein­sam mit dem für die Stu­die beauf­trag­ten Pla­nungs­bü­ro SPV Spree­plan Ver­kehr GmbH näher für den Ber­li­ner Ver­kehrs­be­reich an. Klar wur­de dabei: Ohne die Aus­wei­tung und Ver­bes­se­rung des ÖPNV wird die Fahrt zum Flug­ha­fen für man­che Gäs­te län­ger dau­ern als der Flug selbst. Die U7 ist daher nach Ansicht der IHK Ber­lin drin­gend erfor­der­lich. Aber auch bei der Stra­ßen­an­bin­dung zeigt sich, dass es nicht reicht, ledig­lich die Bau­maß­nah­men wie die Tan­gen­tia­le Ver­bin­dung Ost, die Süd-Ost-Ver­bin­dung oder auch den 17. Bau­ab­schnitt der A100 im STEP Ver­kehr nie­der­zu­schrei­ben – not­wen­dig ist vor allem ein deut­lich stär­ke­rer Umset­zungs­wil­len durch den Senat.

Hand­lungs­emp­feh­lun­gen

Für eine schnel­le Ver­kehrs­an­bin­dung an den BER hat die IHK Ber­lin die Maß­nah­men in einem 12-Punk­te-For­de­rungs­pa­pier zusam­men­ge­stellt.

Zeit­na­he Umset­zung der Maß­nah­men im Nah­ver­kehrs­plan

Bereits beschlos­se­ne Bau­maß­nah­men wie die Nah­ver­kehrstan­gen­te, die Aus­wei­tung der Stra­ßen­bahn zur Kapa­zi­täts­stei­ge­rung, der zwei­glei­si­ge Aus­bau der S-Bahn müs­sen durch die aktu­el­le Lan­des­re­gie­rung zügig umge­setzt wer­den. 

ÖPNV auch in den Rand­zei­ten nutz­bar machen

Der BER muss gut erreich­bar sein. Ent­spre­chend soll­te auch eine gute Ver­füg­bar­keit des ÖPNV in den Rand­zei­ten um 3 Uhr oder 4 Uhr sicher­ge­stellt wer­den.

Betriebs­sta­bi­li­tät stei­gern

Das bes­te ÖPNV-Ange­bot nützt nichts bei einer Betriebs­stö­rung. Die Betriebs­sta­bi­li­tät muss durch Fahr­zeug- und Fah­rer­re­ser­ve sowie zusätz­li­che Abstell­an­la­gen und Ein­setz­punk­te gestei­gert wer­den.

Aus­bau und Kapa­zi­täts­er­hö­hun­gen des ÖPNV-Ange­bots

Die Ver­län­ge­rung der U7 zum BER wird zu einer erheb­li­chen qua­li­ta­ti­ven Ver­bes­se­rung der Anbin­dung und zur Ent­las­tung der Wal­ters­dor­fer Chaus­see, der Rudo­wer Stra­ße und von Britz füh­ren.

Pend­ler­strö­me berück­sich­ti­gen

Häu­fig liegt die Anschluss­qua­li­tät des ÖPNV in Bran­den­burg nied­ri­ger als in Ber­lin. Hier soll­ten die bei­den Lan­des­re­gie­run­gen einen gemein­sa­men Nah­ver­kehrs­plan ent­wi­ckeln und inter­mo­da­le Ver­keh­re bei­spiels­wei­se durch P&R oder B&R för­dern.

Preis­an­rei­ze im ÖPNV set­zen

Attrak­ti­ve Tarif­op­tio­nen wie ein 365-Euro-Ticket oder ein Kom­bi­ti­cket aus Flug und ÖPNV kön­nen dazu bei­tra­gen, dass mehr Flug­pas­sa­gie­re zum Umstieg auf die Bahn bereit sind. 

Zeit­na­he Umset­zung der Maß­nah­men im STEP Ver­kehr

Die im STEP Ver­kehr benann­ten Bau­maß­nah­men wie die Orts­um­fah­rung Ahrens­fel­de, die Tan­gen­tia­le Ver­bin­dung Ost (TVO), die Süd-Ost-Ver­bin­dung (SOV) oder der 17. Bau­ab­schnitt der A100 ver­bes­sern die Ver­kehrs­an­bin­dung maß­geb­lich. Trotz Dring­lich­keit wer­den die Pro­jek­te nicht umge­setzt. Es gilt daher, die­se Bau­pro­jek­te wie­der auf die Agen­da der Poli­tik zu set­zen.

Ver­kehrs­kno­ten­punk­te detail­liert betrach­ten

Um den Ver­kehrs­fluss kurz­fris­tig zu ver­bes­sern, soll­te die Ver­kehrs­ver­wal­tung zuerst die zehn am höchs­ten belas­te­ten Kno­ten­punk­te wie im Süd­wes­ten Tel­tower Damm/Berliner Stra­ße oder im Nord­wes­ten Nonnendamm/Paulsternstraße näher ana­ly­sie­ren. Die Kos­ten dafür wür­den sich schät­zungs­wei­se auf 400.000 Euro belau­fen.

Ver­bes­se­rung der Koor­di­na­ti­on von Bau­stel­len

Es bedarf unbe­dingt einer Koor­di­nie­rung von Bau­stel­len, um über­mä­ßi­ge Beein­träch­ti­gun­gen zu ver­mei­den (z. B. A111/A114, Elsenbrücke/A100). Essen­zi­ell ist ein leis­tungs­fä­hi­ge­res Bau­stel­len­ma­nage­ment durch die Auf­sto­ckung des Per­so­nals in den Bezir­ken und die Digi­ta­li­sie­rung des Geneh­mi­gungs­pro­zes­ses.

Kon­zi­pie­rung von Aus­weich­rou­ten von ver­kehr­li­chen Nadel­öh­ren

Die A113 ist das Nadel­öhr zum BER. Aus­weich­rou­ten für Stör­fäl­le sind hier beson­ders wich­tig. Dazu bei­tra­gen kön­nen koor­di­nier­te Licht­si­gnal­an­la­gen oder die Instal­la­ti­on von intel­li­gen­ten Weg­wei­sern.

Zusam­men­ar­beit der Lan­des­re­gie­run­gen stär­ken

Nach der aktu­el­len Rege­lung kön­nen Ber­li­ner Taxis zwar Per­so­nen aus Ber­lin zum BER beför­dern, jedoch aber kei­ne Pas­sa­gie­re vom Flug­ha­fen in die Stadt. Und umge­kehrt. Die bei­den Lan­des­re­gie­run­gen müs­sen hier eine Kom­pro­miss­lö­sung mit dem Land­kreis Dah­me-Spree­wald fin­den.

Intel­li­gen­te Stra­ßen­ver­kehrs­steue­rung umset­zen

Schon vor der Ein­fahrt auf die Stadt­au­to­bahn kann über Air­port-bezo­ge­ne Ver­kehrs­in­for­ma­ti­ons­sys­te­me auf Hin­weis­schil­dern auf­ge­zeigt wer­den, wie lan­ge der Weg zum Flug­ha­fen vor­aus­sicht­lich dau­ern wird und wel­che Aus­weich­rou­ten es gibt. Auch mit intel­li­gen­ten Ampel­schal­tun­gen kön­nen Kno­ten­punk­te ent­las­tet wer­den.

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