Das Magazin der IHK Berlin

Agen­da

Vorstoß für eine digitale Hauptstadt

Gemeinsam mit der Unternehmerschaft hat die IHK Berlin Vorschläge skizziert, wie die digitalen Chancen für die Wirtschaft besser nutzbar werden.
von Vanessa Grühser Ausgabe 07+08/2020

Grundlegend: Die Digitalisierung basiert auf Binärcodes
Grundlegend: Die Digitalisierung basiert auf Binärcodes. Foto: Getty Images/Westend61
Lesenswert

Warum Sie diesen Artikel lesen sollten

  • Gerade die Corona-Krise hat den Stellenwert der Digitalisierung drastisch verdeutlicht.
  • Ohne einen Kompass für die nächsten Jahre geht es in Berlin nicht – die IHK hat Empfehlungen erarbeitet.

Was im Fuß­ball die Tak­tik­ta­fel ist, ist für die Digi­tal­po­li­tik in der Haupt­stadt seit dem 18. Juni die Ber­li­ner Digi­tal­of­fen­si­ve. Denn aus Sicht der Unter­neh­mer­schaft wer­den die Ber­li­ner Regie­rungs­ge­schäf­te bereits zu lan­ge ohne digi­tal­po­li­ti­sche Stra­te­gie geführt. Mit der immer noch aus­ste­hen­den Ber­li­ner Digi­ta­li­sie­rungs­stra­te­gie muss es nun end­lich gelin­gen, auf die in der Kri­se iden­ti­fi­zier­ten Schwä­chen zu reagie­ren und den lang­fris­ti­gen digi­ta­len Ent­wick­lungs­chan­cen am Stand­ort den Weg zu ebnen. Der Dia­log mit der Poli­tik ist damit eröff­net.

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Vanes­sa Grüh­ser
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Dafür wur­den im engen Schul­ter­schluss mit dem IHK-Ehren­amt in fünf Hand­lungs­fel­dern der Ber­li­ner Sta­tus quo betrach­tet und Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge skiz­ziert. Die­se sind: Poli­ti­sche Füh­rung & Steue­rung, IT-Infra­struk­tur, Daten und Digi­ta­le Anwen­dun­gen, Ver­wal­tung sowie Bil­dung. Die voll­stän­di­ge Digi­tal­of­fen­si­ve ist mit wei­te­ren Unter­neh­mer­mei­nun­gen unter ihk-berlin.de/digitaloffensive abruf­bar.

In den letz­ten Mona­ten wur­de Unter­neh­mern wie Poli­ti­kern vor Augen geführt, wel­che Rol­le und Funk­ti­on digi­ta­le Tech­no­lo­gi­en, Infra­struk­tu­ren, Daten, Pro­zes­se und Arbeits­me­tho­den erfül­len könn(t)en, um zen­tra­le Tätig­kei­ten und Rou­ti­nen auf­recht­zu­er­hal­ten. Die­ses Momen­tum gilt es jetzt zu nut­zen, um kon­struk­tiv, lösungs- und dia­log­ori­en­tiert not­wen­di­ge Digi­ta­li­sie­rungs­er­fol­ge für die Haupt­stadt nutz­bar zu machen. Unter­neh­men haben hier selbst Haus­auf­ga­ben zu erle­di­gen, doch auch die Poli­tik ist gefragt, die pas­sen­den Rah­men­be­din­gun­gen für die digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on zu gestal­ten: „Über Digi­ta­li­sie­rung zu reden, reicht nicht. Man muss auch han­deln. Gera­de die Coro­na-Pan­de­mie hat die dies­be­züg­li­chen Män­gel in Ber­lin scho­nungs­los offen­ge­legt“, sagt IHK-Prä­si­den­tin Dr. Bea­tri­ce Kramm, die die unzu­rei­chen­de Home­of­fice-Fähig­keit der Ber­li­ner Ver­wal­tung genau­so kri­ti­siert wie den arl­ar­mie­ren­den Sta­tus quo beim digi­ta­len Unter­richt. „Immer noch“, so Kramm wei­ter, „liegt die Glas­fa­ser­an­bin­dungs­quo­te in Ber­lin bei ledig­lich drei Pro­zent. Wer Digi­tal­haupt­stadt sein will, muss erst groß den­ken und dann ent­schie­den umset­zen.“

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Poli­ti­sche Füh­rung und Steue­rung not­wen­dig

Die digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on ist ein res­sort­über­grei­fen­des Ber­li­ner Mam­mut­pro­jekt. Wir alle wis­sen: Res­sort­über­grei­fen­des Umset­zen ist in Ber­lin mit sei­nen unüber­sicht­li­chen Zustän­dig­kei­ten ein Pro­blem. Aus Sicht der IHK soll­te es des­halb nach den Abge­ord­ne­ten­haus­wah­len 2021 einen Digi­tal­se­na­tor geben. Als „Chief Digi­tal Offi­cer“ mit Manage­ment­kom­pe­tenz erhält Ber­lin damit die Füh­rungs- und Iden­ti­fi­ka­ti­ons­per­son, die das The­ma ver­langt.

Bis­her tut Ber­lin sich immer noch schwer auf sei­nem Weg zur Giga­bit-City Ber­lin, die Glas­fa­ser­an­bin­dungs­quo­te von drei Pro­zent legt bered­tes Zeug­nis dafür ab. Indus­trie und Dienst­leis­tun­gen der Zukunft brau­chen eine flä­chen­de­cken­de giga­b­it­fä­hi­ge Infra­struk­tur. Ein Glas­fa­se­rin­fra­struk­turziel schafft dabei Pla­nungs­si­cher­heit. Dazu braucht es auch lan­des­ei­ge­ne För­der­instru­men­te, die auf die Aus­bau­her­aus­for­de­run­gen Ber­lins eine Ant­wort geben. Im Haus­halt sind bereits Mit­tel für den Netz­aus­bau ein­ge­stellt, Plä­ne für ein büro­kra­tie­ar­mes und wirk­sa­mes För­der­instru­men­ta­ri­um las­sen aber auf sich war­ten. Hin­zu kommt: Bis­lang dau­ern Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren für das Ver­le­gen von Glas­fa­ser­ka­beln je nach Bezirk zwi­schen drei und 20 Wochen, auf Geh­we­gen geht’s auch schon mal schnel­ler. Das ist natür­lich kein Zustand. Für Mat­thi­as Patz, Vor­sit­zen­der des IHK-Fach­aus­schus­ses Inno­va­ti­on & Tech­no­lo­gie, ist klar: „In der Zukunft wer­den Dia­log und Koope­ra­ti­on in Ber­lin den Takt bestim­men müs­sen, um den Weg zur Digi­tal- und Inno­va­ti­ons­haupt­stadt zu meis­tern. Eine lan­des­po­li­ti­sche Giga­bit­stra­te­gie mit einem Glas­fa­se­rin­fra­struk­turziel wird dabei ein wich­ti­ger Schritt zur Ver­wirk­li­chung der Giga-bit-City Ber­lin sein. Erfol­ge sind erreich­bar, wenn der Wan­del als gesamt­städ­ti­sches Pro­jekt ver­stan­den wird.“

Offensiv für Digitalisierung: Die IHK-Initiative umfasst fünf Handlungsfelder
Offen­siv für Digi­ta­li­sie­rung: Die IHK-Initia­ti­ve umfasst fünf Hand­lungs­fel­der. Foto: IHK Ber­lin

Digi­ta­le Bil­dung Grund­la­ge für Fach­kräf­te

Auch im Bereich Bil­dung hat die Pan­de­mie offen­bart, wie dra­ma­tisch abge­hängt die Ber­li­ner Schu­len beim The­ma Digi­ta­li­sie­rung sind. Immer noch fehlt vie­len Schu­len eine leis­tungs­fä­hi­ge Anbin­dung an das Breit­band­netz. So sind von den 44 beruf­li­chen Schu­len ledig­lich fünf an das Glas­fa­ser­netz ange­bun­den. Eine Ver­sor­gung aller Funk­ti­ons­räu­me mit WLAN ist an kei­ner die­ser Schu­len vor­han­den. Hier muss Ber­lin Schu­len und Schul­trä­ger stär­ker unter­stüt­zen, auch wenn es um das Bean­tra­gen von För­der­mit­teln des Bun­des geht.

Das gilt im Übri­gen auch für die Bean­tra­gung der Mit­tel aus dem Digi­tal­pakt des Bun­des. Weil es an den Schu­len an Struk­tu­ren und Res­sour­cen fehlt, um für Digi­tal­pro­jek­te Geld anzu­for­dern, wur­de bis­lang erst ein (!) Pro­zent der den Ber­li­ner Schu­len zuste­hen­den Mit­tel bean­tragt. Jede digi­ta­le Infra­struk­tur ist aber nur so gut, wie die Lehr­kräf­te mit digi­ta­len Lern- und Lehr­an­ge­bo­ten arbei­ten kön­nen. Es braucht hoch­wer­ti­ge Leh­rer­fort­bil­dun­gen, um die­sen Anfor­de­run­gen gerecht zu wer­den. Der gemein­sa­me Dia­log und die Zusam­men­ar­beit ste­hen für zukünf­ti­ge Erfol­ge und Wei­ter­ent­wick­lung im Vor­der­grund. Ihre Erfah­run­gen und Hand­lungs­emp­feh­lun­gen kön­nen Unter­neh­mer unter dem ent­spre­chen­den neben­ste­hen­den Link mit­tei­len und so die IHK dar­in unter­stüt­zen, die digi­tal­po­li­ti­sche Tak­tik zu ver­fei­nern und das not­wen­di­ge poli­ti­sche „Umschalt­spiel“ in Ber­lin zu ver­bes­sern.

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